Sport : Jubel im Jahreswagen

McLaren-Mercedes gewinnt in Melbourne

Karin Sturm

Melbourne. Das Handy von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug stand nach dem Triumph von David Coulthard in Melbourne nicht mehr still. Freunde und Mitarbeiter gratulierten, mit Niki Lauda telefonierte er, dann meldeten sich Mika Häkkinen und Frau Erja. „Schade, dass du Rallyefahrer geworden bist, dieses Rennen hättest du gewinnen können“, witzelte Haug durch die Leitung. Doch der Finne war auch ohne eigene Beteiligung mit dem Resultat einverstanden.

„Natürlich freue ich mich mit euch“, schickte Häkkinen, 1998 und 1999 Weltmeister im McLaren-Mercedes, seine Gratulation, und brachte nur scherzhaft Kritik an: „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht, dass Kimi nicht gewonnen hat“ – sein Landsmann Räikkönen wurde Dritter.

Haug macht sich keine Sorgen, dass der Jungpilot noch lange auf einen Sieg warten muss. „Ich bin sicher, dass er sehr bald dran sein wird. Ich habe vorhin schon zu Erja gesagt, du und ich, wir haben ihn erzogen, er muss einfach gewinnen.“ Dass es für Räikkönen diesmal nach einem überzeugenden Rennen von ganz hinten an die Spitze noch nicht zum Sieg reichte, lag an einer Zehn-Sekunden-Zeitstrafe, die er für zu schnelles Fahren in der Boxengasse kassierte. „Ich verstehe das nicht, ich bin mir so sicher, den Knopf rechtzeitig gedrückt zu haben“, meinte der Finne, die technische Vorkehrung gegen eine Überschreitung der Maximalgeschwindigkeit bedient zu haben. Ein wenig enttäuscht war der Mann also, der kurz zuvor noch Michael Schumacher bei dessen versuchtem Überholmanöver unerschrocken Paroli geboten hatte. Später entschuldigte sich McLaren-Teamchef Ron Dennis sogar bei seinem Fahrer: „Es war ein Teamfehler, ein Problem in der Software.“ So war David Coulthard der große Sieger, obwohl er nicht wie Räikkönen schon nach der Formationsrunde auf Trockenreifen gewechselt hatte, sondern erst nach drei Runden.

Über Haugs Handy konnte der Schotte, der im Mai 2002 in Monaco für den letzten Nicht-Ferrari-Sieg bis Melbourne gesorgt hatte, auch die Glückwünsche von Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert entgegennehmen. Haug zog derweil Bilanz: „Ich habe immer gesagt, wer Ferrari als Erstes auf der Strecke schlägt, wird eine Menge Anerkennung ernten. Das ist ein toller Lohn für die gesamte Mannschaft.“

Wann der „Jahreswagen“, das Auto des Vorjahres, vom neuen Silberpfeil abgelöst wird, steht noch nicht fest. „Dann, wenn er absolut zuverlässig ist“, sagt Haug. Momentan scheint keine Eile geboten.

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