Sport : Jubel in der Nische Handball hofft auf Rückkehr zu den Öffentlich-Rechtlichen

Klaus Rocca

Nicht, dass man es im Lager der deutschen Handballer überbewerten wollte, dass Nationalspieler Daniel Stephan im Sportstudio des ZDF vor Fußball- Nationaltorwart Oliver Kahn zu Wort kam. „Wir haben aber natürlich darauf geachtet, dass einer unserer besten Spieler vor dem Finale nicht zu spät ins Bett kommt“, sagte Ulrich Strombach, der Präsident des Deutschen Handball-Bundes, in Ljubljana. Dennoch war es bereits Mitternacht, als der aus dem Grand Hotel zugeschaltete Mannschaftskapitän Ruhe fand.

Die Handballer wissen, dass sie in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern präsenter sein müssen als bislang. Gewiss, der Privatsender DSF hatte dieser Tage bei seinen Live-Übertragungen recht ordentliche Quoten, zeitweilig sahen mehr als zwei Millionen Menschen die Spiele. Auch bei den Bundesligaspielen hat das DSF das Senden.

Doch Strombach macht kein Hehl daraus, dass er die Europameisterschafts- Spiele lieber in der ARD gesehen hätte. „Für Handball ist das unser Sender“, sagt er. Nur bei Heimspielen der Nationalmannschaft hat das Erste die Rechte. Das soll sich, geht es nach dem Verband, nach dem Europameistertitel in Slowenien ändern.

Gerade bei solchen Großereignissen vermisst der Verband das große Engagement der öffentlich-rechtlichen Sender, er wirft ihnen eine „falsche Einschätzung der Wertigkeit“ vor. Die Handballer sehen sich unter Wert verkauft. Die Nationalmannschaft müsse immer erst große Leistungen erbringen, danach springe das Fernsehen auf. Mit entsprechender Promotion könne Handball bei den Übertragungszeiten „bis in den Bereich des Fußballs kommen“, glaubt Strombach.

Allerdings dürfte bei dieser Vision auch das Wunschdenken mitspielen. Deutschland ist nicht Island, wo bei der letzten Handball-Europameisterschaft wegen der Fernsehübertragungen sogar Parlamentssitzungen abgesagt wurden. Und auf den wie leer gefegten Straßen mussten Polizisten patrouillieren, um mögliche Plünderungen zu verhindern.

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