Sport : Jubeln üben

4:2 gegen Ingolstadt – Eisbären vor dem Finaleinzug

Claus Vetter

Berlin - Shawn Heins machte vor Freude einen Hüpfer an die Plexiglasbande. Erst zehn Minuten war das dritte Play-off-Halbfinalspiel des EHC Eisbären gegen den ERC Ingolstadt alt, als der Verteidiger der Berliner seinen Gefühlen freien Lauf ließ. Heins aber jubelte derart ausführlich mit Eisbären-Fans im Sportforum Hohenschönhausen, wie es Eishockeymannschaften und Anhänger machen, wenn sie sich dem Sieg ganz nah wähnen. So fühlten sich die Eisbären gestern nach eben jenen zehn Minuten, schließlich feierte Heins bereits das Berliner 2:0 in einem bis dahin einseitigen Spiel. Was danach passierte, ahnte Heins natürlich noch nicht. Mit dem Berliner Offensivdrang war es vorbei – Ingolstadt sollte sogar zum 2:2 ausgleichen. Und dann entwickelte sich ein anderes, offenes Spiel, das die Eisbären aber schließlich doch glücklich 4:2 (2:0, 1:2, 1:0) gewannen. Somit führen sie nun in der „Best-of-five“-Serie mit 2:1-Siegen, und bereits ein Erfolg beim Spiel am Sonntag in Ingolstadt würde ihnen den Einzug in die Finalrunde um die deutsche Meisterschaft bescheren.

Es war nicht ganz ersichtlich, warum die Eisbären nach ihrer erstaunlichen Anfangsphase dann in ihrem Ideenreichtum auf einmal eingeschränkt schienen. Vielleicht veranstalteten sie mit dem ersten Bully gar zu viel Wirbel im Drittel der Bayern. Schon in der zweiten Minute hätten zunächst Denis Pederson und dann Alexander Barta nach Kontern jeweils den Berliner Führungstreffer erzielen können. Den schoss wenig später tatsächlich Pederson, was aber auch nicht kompliziert war.

Stefan Ustorf hatte den Treffer mit einem Pfostenschuss vorbereitet, Pederson schob ihn nur noch über die Linie des Ingolstädter Tores. Der eifrige Ustorf profilierte sich dann auch beim zweiten Berliner Treffer durch Heins als Vorlagengeber. Zu diesem Zeitpunkt war die Atmosphäre auf den Rängen im Sportforum so ausgelassen wie schon lange nicht mehr, die Fans hüpften und sangen – es sollte aber kurz darauf wieder leiser werden auf den Tribünen.

Spätestens im zweiten Abschnitt hatten rund 200 Ingolstädter Anhänger keine Mühe, sich akustisch bemerkbar zu machen. Die Eisbären wollten anscheinend ihren 2:0-Vorsprung zwei Drittel lang verwalten – ein Vorhaben, dem im Eishockey selten Erfolg beschieden ist. Ingolstadt kam kurz nach der ersten Pause zum verdienten Anschlusstor durch Marco Sturm, und Doug Ast erzielte kurze Zeit vor der zweiten Pause sogar das 2:2.

Erst danach wurden die Berliner wieder mutiger, was sofort belohnt wurde: Heins schlenzte noch im Mittelabschnitt bei Berliner Überzahl den Puck ins Ingolstädter Tor, und die Eisbären führten 3:2. Bei diesem einen Tor Vorsprung zitterten sich die Berliner dann im letzten Drittel mit viel Mühe und dank ihres guten Torwartes Oliver Jonas fast bis zur Schlusssirene. Groß war bei den Eisbären die Erleichterung über das 4:2 durch Florian Busch vier Minuten vor Spielende. Das erste Saisontor von Busch besiegelte den glücklichen Erfolg der Berliner, die nun nur noch einen Sieg von der Finalrunde entfernt sind. „Wir schaffen das jetzt und nach diesem Spiel bin ich mir sicher, dass wir das Halbfinale am Sonntag erfolgreich beenden werden“, sagte Busch.

Möglich ist es, zumal sich die Berliner bei ihrem 3:2-Auswärtssieg am vergangenen Sonntag souveräner präsentierten als in gestern eigener Halle. Doch zu früh wird sich bei den Eisbären keiner über den Einzug ins Finale freuen. Auch nicht der gestern im Sportforum so überragend spielende Shawn Heins.

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