Sport : Jubeln und trösten

Nach Bob-Gold denkt Kiriasis an die einstige Rivalin

Andreas Morbach[Cesana]

Im Moment ihres größten sportlichen Erfolges fand Sandra Kiriasis tröstende Worte für Susi Erdmann: „Es tut mir Leid für Susi. Ich weiß auch nicht, was los war, vielleicht hat sie die falsche Kufenwahl getroffen.“ Dies vermutete gestern auch Bundestrainer Wolfgang Hoppe: „Susi hat sich da wohl vergriffen.“

Am Abend zuvor waren die beiden Bobfahrerinnen, die einstigen Dauerrivalinnen auf und außerhalb der Eisrinnen, wieder ein Stückchen näher zusammen. Zumindest in dem Moment, als die 38-jährige Erdmann ihre Kollegin am Ende der olympischen Eisrinne von Cesana Pariol in die Arme schloss. Kiriasis hatte mit ihrer Anschieberin Anja Schneiderheinze die Goldmedaille im Zweier gewonnen.

Für Erdmann verlief ihre fünfte Olympia-Teilnahme – die ersten drei davon noch als erfolgreiche Rodlerin – hingegen weniger schön. Vor einem Training in Cesana war sie vor einigen Tagen umgeknickt und hatte sich den Knöchel verstaucht. Das kleine Handicap nahm Erdmann mit in den olympischen Wettkampf – und am Ende landete sie mit ihrer Anschieberin nur auf Rang fünf.

Schon bei der olympischen Premiere für Frauenbob vor vier Jahren war Kiriasis, damals noch als Sandra Prokoff, zu Silber gefahren. In Salt Lake City hieß die Frau hinter ihr noch Ulrike Holzner. Die Partnerin hat sie gewechselt, der Erfolg ist geblieben. Speziell im dritten Lauf distanzierten sie diesmal die anderen Teams um kleine Welten: Lagen nach den ersten beiden Läufen am Montag zwischen Kiriasis/Schneiderheinze und dem amerikanischen Gespann Shauna Rohbock und Valerie Fleming aus den USA nur neun Hundertstelsekunden, so war der Vorsprung der Deutschen vor dem entscheidenden vierten Durchgang auf über eine halbe Sekunde angewachsen. Auch zum Abschluss legten sie noch einmal eine Bestzeit hin und hielten Rohbock/Fleming mit letztlich 0,71 Sekunden Vorsprung deutlich auf Distanz, während die Italienerin Gerda Weissensteiner mit Anschieberin Jennifer Isacco im Rücken zur großen Freude der Zuschauer zu Bronze sauste.

Und als Susi Erdmann, die Fünfte, hinterher so herzlich zum Gold gratulierte, erinnerten sich die beiden Frauen in dem Moment noch einmal an jene dramatische Nacht im Dezember 2004. Susi Erdmann übernachtete bei Sandra Kiriasis, die damals noch Prokoff hieß, als sie im Schlaf hochschreckte. Das Haus brannte, Erdmann riss ihre Gastgeber aus dem Bett, fand aber den Ausgang nicht. Erst Sandra Prokoff zeigte ihr das richtige Schlupfloch. Spätestens seit jenem Erlebnis sind die alten Differenzen ausgeräumt.

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