Sport : Jubeln verboten

Helen Ruwald

Die Lautsprecher nützten nichts. Der Hallensprecher hatte keine Chance gegen die mehr als 6700 Basketballfans, die sangen, klatschten und brüllten. Schon bevor das Pokalhalbfinale zwischen Alba Berlinund den EWE Baskets Oldenburg vorbei war, hielt es kaum einen mehr auf seinem Sitz. Volksfeststimmung in der Max-Schmeling-Halle. Auf den Rängen. Unten auf dem Spielfeld schüttelten sich erwachsene Männer höflich die Hand. In der Mitte und doch allein stand Albas Center Dejan Koturovic mit missmutigem Gesicht. Erst nach einer Weile winkte er gemeinsam mit den Kollegen ins Publikum und lief zu den jubelnden Fans. Mit 105:65 (45:27) hatte Alba die Oldenburger deklassiert und war ins Finale eingezogen. Gegner ist dort heute (14.55 Uhr) Bundesliga-Tabellenführer Skyliners Frankfurt, der sich gegen Herzogtel Trier erst in der Schlussphase mit 75:68 durchsetzte.

Aber sehen so Sieger aus? "Wenn wir das Finale verlieren, war der Sieg gegen Oldenburg für die Katz", sagte Albas Guard Mithat Demirel. "Als der Sieg klar war, hatte man schon Frankfurt im Hinterkopf", erzählte Jörg Lütcke, der eine starke Leistung bot, "jetzt geht es darum, dass wir uns erholen." Da war keine Zeit für Freudensprünge. Der Sieg gestern war im Kopf schon abgehakt, als das Spiel noch gar nicht beendet war. Hände und Füße machten dennoch weiter, als sei nichts entschieden. Alba begeisterte gegen die enttäuschenden Gäste teilweise wie in besten Zeiten. Die Berliner tricksten und trafen von der Dreipunktelinie wie im Training (zehn von 23 Würfen). Alle zehn Spieler bekamen viel Einsatzzeit, keiner verausgabte sich zu sehr. Sie hatten Spaß am Spiel - und das übertrug sich auf die Zuschauer, die in dieser Saison bislang von Alba nicht verwöhnt wurden.

Hoch geführt hatte der Meister in dieser Saison schon mehrfach - und war dann immer wieder eingebrochen. Starke Leistungsschwankungen auch innerhalb eines Spiels warfen Alba immer wieder zurück. Als Tabellenfünfter geht die Mannschaft in die Play-off-Viertelfinalspiele gegen Leverkusen, die am Sonnabend beginnen. Der Pokalsieg, so stellen es sich die Berliner vor, soll dafür das nötige Selbstbewusstsein geben.

Das Halbfinale müsste Alba ungemein viel Schwung für das Endspiel verleihen. "Es gab an unserem Spiel nichts zu bemängeln", sagte der sonst so kritische Jörg Lütcke. "Wir waren mental stark und haben 40 Minuten gut gespielt", lobte Albas Trainer Emir Mutapcic. 40 Minuten, nicht nur 32 wie bei der Heimniederlage (71:79) gegen Frankfurt vor zwei Wochen. Die ganze Saison bemängelte Mutapcic die fehlende Kontinuität. Gestern nun, als eine Niederlage das Aus bedeutet hätte, passte plötzlich alles. Wozu die abstiegsbedrohten Oldenburger ihren Teil beitrugen. "Alba wird sich in den nächsten Wochen gerne daran erinnern, dass wir ihnen aus der Krise geholfen haben", sagte Oldenburgs Manager Jens Brämer sarkastisch.

Deshalb dürfe der Sieg auch nicht überbewert werden, mahnte Wendell Alexis, mit 17 Punkten Albas bester Werfer, "wir müssen uns auf ein hartes Finale einstellen". Frankfurt ist schließlich nicht Oldenburg. Die Hessen besiegten Alba vor zwei Jahren im Pokalfinale und sie gewannen eben auch am Karsamstag in Berlin. "Die Jungs wollen Revanche, sie sind heiß", sagte Albas Manager Carsten Kerner, nachdem er die Spieler nach dem gestrigen Erfolg in der Kabine erlebt hatte. Zunächst treffen heute Trier und Oldenburg im Kampf um Platz drei aufeinander (12 Uhr), ehe Alba zum dritten Mal nach 1997 und 1999 den Pokal gewinnen will. Mithat Demirel ist optimistisch. "Wenn wir so spielen, wie wir können, müssen wir nicht auf den Gegner schauen", sagt Demirel. Weil der Gegner dann keine Chance hat. Auch der Tabellenführer nicht.

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