Sport : Judo-WM: Schwergewicht mit neuem Schwung

Alexander von der Groeben

"Du hast vielleicht heute die letzte Chance, im Fernsehen zu erzählen, dass ich dich schon einmal weggeputzt habe", sagt Frank Möller und haut mir lachend auf die Schulter. Möller, 1,89 groß, 125 Kilo schwer, muskelbepackt, meist breit grinsend, ist Deutschlands bekanntester Judoka. Unser Treffen findet in der Olympiahalle in München statt, wo derzeit die Judo-WM ausgetragen wird. Die Begrüßung ist ein Ritual. Seit ich 1995 angefangen habe, Judo zu kommentieren, fordert Möller mich immer wieder auf zu erzählen, wie ich 1989 in Bukarest als Europameister von ihm als 18-jährigem Youngster im Finale mit einem Konter überrascht wurde.

Meine Antwort lautet dann immer: "Erst wenn du dein letztes Turnier kämpfst." Im September wird Frank Möller 31, es könnte bald Zeit sein, die Anekdote herauszurücken. Zwölf Jahre in der Weltspitze hinterlassen Spuren. Die meisten Judoka denken dann ans Aufhören, auch Möller hat sich damit schon beschäftigt. Zurücktreten könnte er ohne Probleme, ein Platz in der Ahnengalerie ist ihm sicher. Der Berliner hat bei allen großen Meisterschaften Medaillen gewonnen: Bronze bei Olympia 1996, Zweiter bei der WM 1995, Dritter bei der WM 1993, Europameister 1992, dazu acht EM-Medaillen. Schmerzen am Knie und Rücken haben dann einen weiteren großen Erfolg des Berliners verhindert. In dieser Zeit hat Möller oft gesagt: "Dieses Turnier ist vielleicht mein letztes." Doch seit eineinhalb Jahren ist er fast frei von Beschwerden. Das liegt auch daran, dass er reifer geworden ist. Früher hat er die Zähne zusammengebissen und weitertrainiert. "Heute mache ich lieber eine Pause und gezielte Gymnastik, anstatt weiterzuknüppeln, bis nichts mehr geht."

Durch den Generationswechsel nach Sydney 2000 ist Möller der Senior, der Einzige im Team, der noch mit dem neuen Bundestrainer Frank Wienecke in einer Mannschaft gekämpft hat. Wienecke hat neuen Schwung gebracht, den Routinier noch einmal mitgerissen. Dazu hat Möller mit dem 21-jährigen Andreas Tölzer einen Konkurrenten bekommen, der ihn im Juni bei den Deutschen Meisterschaften bezwungen hat. Der Druck hat Möller noch einmal stärker werden lassen und ihn bei seiner sechsten WM in Folge gut gemacht für eine Medaille. Auch wenn er nicht mehr so unbekümmert ist wie bei jener EM 1989 in Bukarest, als er auf Anhieb Zweiter wurde.

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