Sport : Judoka Martin Schmidt kämpft nach dem WM-Aus um Reputation

Hartmut Moheit

Der Schweiß fließt jedes Mal in Strömen. Martin Schmidt kennt das. "Ein Training in Japan ist schon eine ganz haarige Angelegenheit", sagt er. "So traurig bin ich gar nicht, dass ich diesmal nicht mitdurfte." Im Mutterland des Judo war der Halbmittelgewichtler vom SC Berlin schließlich schon zigmal. Allein der psychologische Faktor schmerzt, aktuell nicht mehr zum erlauchten Auswahlkreis der Weiß- und Blaukittel zu gehören. "Ein wenig fühle ich mich als Buhmann. Aber klar, ich habe bei der WM enttäuscht, und der Bundestrainer Dietmar Hötger musste reagieren", zeigt der 30jährige letztlich doch Einsicht. Ihn wurmt die WM-Pleite gegen einen keinesfalls starken Portugiesen bis heute.

Den Kopf unter die Judomatte steckt er deshalb noch längst nicht. Sein alter Trainer Detlef Ultsch - immerhin zweimal Weltmeister - hat ihm nach der Blamage von Birmingham so richtig die Leviten gelesen. Anschließend intensivierte er gemeinsam mit Jochen Bech das Training mit dem Ex-Europameister. "Fakt ist, dass ich mir jetzt absolut nicht mehr einbilden kann, es ginge alles so leicht weiter. Vielleicht brauche ich jemanden, der mir ab und zu in den Allerwertesten tritt", sinniert Schmidt.

Olympia im September bleibt für ihn das große Ziel. Nur, die Zeit der Freibriefe ist vorbei. Noch neun Kämpfer in Europa bekommen ein Sydney-Ticket im Limit bis 73 kg, und in Deutschland ist der Leipziger René Börner momentan erste Wahl. Das unterstreicht allein die Tatsache, dass er derzeit in Tokio weilt. Martin Schmidt dagegen hat sich mit Jochen Bech in einen Flieger nach Moskau gesetzt, versucht dort an diesem Wochenende vom ersten offiziellen Qualifikationsturnier mit Bonuspunkten (für den Sieg gibt es 50) heimzukehren. Sollte es ihm dann noch am 26. Februar beim World Master in München gelingen, vor Börner zu sein, erst dann wäre der Rahnsdorfer wieder im Rennen. "Alles ist eine Kopfsache. Ich glaube, wenn ich mich richtig quälen muss, fast chancenlos bin, erst dann kann ich mein Können ausschöpfen", meint Schmidt.

Ganz schlecht wäre es um seine Olympia-Chance bestellt, wäre er bei den Europameisterschaften im Mai in Wroclaw nicht der deutsche Starter. Nicht nur, dass für die Champions ein Direktticket für Sydney vorgesehen ist (die sieben WM-Ersten pro Klasse haben es bereits), die EM wird gleich doppelt in die Wertung gehen. "Wir wissen, dass Martin von seiner Technik her jeden 73-kg-Judoka in der Welt besiegen kann. Nur, fighten muss er dafür von nun an jeden Tag", fordert Bech. Das Turnier in Moskau kommt dafür zum richtigen Zeitpunkt. Wer dort besteht, hat wirklich Klasse.

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