Jüngste Viererkette der Bundesliga : Hertha BSC setzt jetzt wieder auf Bubis

Herthas Erfolg ist auch das Verdienst der jungen Innenverteidiger Niklas Stark und John Anthony Brooks.

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Junge Zange. Niklas Stark (r.) und John Anthony Brooks harmonieren in Herthas Abwehrzentrum, hier klären sie gegen Frankfurts David Abraham.
Junge Zange. Niklas Stark (r.) und John Anthony Brooks harmonieren in Herthas Abwehrzentrum, hier klären sie gegen Frankfurts...Foto: imago/Bernd König

Im Moment ist es gar nicht so leicht, bei Hertha BSC sensible Themen zu finden. Ja gut, Thomas Kraft übt sich weiter in seiner Rolle als Torhüter auf der Ersatzbank. Und ja, Kapitän Fabian Lustenberger wird am Sonntag im Sinne einer offensiveren Ausrichtung womöglich auch genau dort sitzen. Aber sonst? Ist die blau-weiße Welt aktuell doch ziemlich in Ordnung vor dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV (17.30 Uhr, live bei Sky). Grüße an dieser Stelle vom dritten Tabellenplatz!

Wäre da nur nicht die Sache mit Sebastian Langkamp und dessen Muskelfaserriss. Als Trainer Pal Dardai neulich auf seinen ersten und besten Abwehrspieler angesprochen wurde, war ihm eine gewisse Unzufriedenheit deutlich anzumerken. Bis Langkamp, letzte Saison noch Siegtorschütze in Hamburg, wieder mitwirken darf, werden wohl noch ein paar Tage ins Land gehen. Was wiederum für Dardai heißt: Er wird beim HSV auf das junge Innenverteidiger-Duo zurückgreifen, mit dem Hertha zuletzt in Köln (1:0) und gegen Eintracht Frankfurt (2:0) zwei Mal ohne Gegentor geblieben war: auf den 20 Jahre alten Niklas Stark und den drei Jahre älteren John Anthony Brooks. Sollte Dardai auf den Außenverteidiger-Positionen Mitchell Weiser (21) und Marvin Plattenhardt (24) aufbieten, hätte Hertha die mit Abstand jüngste Viererkette der Fußball-Bundesliga im Einsatz. An den Fußball-Stammtischen der Stadt hat deshalb dieser Tage bereits ein Begriff die Runde gemacht, der in Berlin eigentlich in einem anderen Zusammenhang bekannt geworden war: der von den Bubis.

Trainer Pal Dardai vertraut seinem jungen Personal ganz offensichtlich und beruft sich dabei auf die jüngsten Eindrücke. „Wir haben in einer Woche sechs Punkte geholt“, sagt der Ungar, „warum sollen es am Sonntag nicht neun sein?“ Auf die Defensive war bei Hertha bislang schließlich fast immer Verlass, zehn Spieltage vor dem Ende stellt Dardais Team weiterhin die zweitbeste Abwehr aller Bundesligisten und hat bereits zwölf Mal zu null gespielt. Gegen den HSV kann Hertha das saisonübergreifend heute sogar zum fünften Mal in Folge gelingen.

Nach Langkamps Verletzung dürfen sich auch Brooks und Stark als Teil dieser Statistiken fühlen. Stark, für den die Berliner drei Millionen Euro an den 1. FC Nürnberg überwiesen haben, ist zuletzt vor allem durch Handlungsschnelligkeit und außerordentlich körperbetontes Spiel aufgefallen, ohne dabei unfair zu sein. In elf Bundesliga-Einsätzen für Hertha hat er erst eine Gelbe Karte gesehen. Der 20-Jährige, der Deutschlands U-19-Nationalmannschaft vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft in Ungarn als Kapitän zum Titel führte, hat sich als die Verstärkung erwiesen, die sie sich bei Hertha erhofft hatten. Nach Lage der Dinge war sein Transfer eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Berliner verfügen für den Fall der Fälle, etwa für den Ausfall von Sebastian Langkamp, über einen entwicklungsfähigen Spieler, der mehr ist als ein Back-up. Und auch Starks Rechnung ist aufgegangen. Der Innenverteidiger ist schließlich vor allem nach Berlin gewechselt, um Spielzeit und Wettkampfpraxis auf höchstem nationalen Niveau zu sammeln.

John Anthony Brooks hat im Verlauf der Saison ebenfalls einen großen Schritt gemacht, aus der Startformation von Coach Dardai ist der 23-Jährige nicht mehr wegzudenken. Zuletzt hat er 13 Mal in Folge durchgespielt und zusehends an Souveränität gewonnen. Die kleinen Schludrigkeiten, die Brooks gerade in seinen ersten Profijahren immer wieder mal verfolgt hatten, hat er weitestgehend abgestellt. Das deckt sich auch mit den Eindrücken von Pal Dardai. „Es wird immer schwieriger, den beiden große Ratschläge zu geben“, sagt er über sein neues Innenverteidiger-Duo, „für ihr Alter machen sie das außergewöhnlich gut.“

Es mag Zufall sein, dass die Verträge von Brooks und Stark erst im Sommer 2019 auslaufen. Für den Anhang von Hertha BSC und Defensiv-Fanatiker Pal Dardai sind es jedenfalls perspektivisch gute Aussichten, unabhängig davon, was am Sonntag in Hamburg passiert oder auch nicht.

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