Jürgen Klopp : "In mir tobt Leidenschaft"

Dortmund stellt den neuen Trainer Klopp vor. An den Medienrummel muss sich der Bundesliga-Trainer erst noch gewöhnen.

Felix Meininghaus
Klopp
Jürgen Klopp -Foto: dpa

Dortmund - Um kurz nach elf Uhr betrat Jürgen Klopp das Podium des Presseraums im Dortmunder Stadion. Breit grinsend sagte er „Hallo“ und kniff hinter seiner Brille die Augen zusammen, als das Blitzlichtgewitter der Fotografen auf ihn niederprasselte. Solch einen Medienrummel ist Klopp aus dem eher beschaulichen Mainz nicht gewohnt, das der 40-Jährige nun in Richtung Borussia Dortmund verlässt. Klopp unterschrieb als Nachfolger des zu Wochenbeginn zurückgetretenen Thomas Doll einen Zweijahresvertrag.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte, Klopp sei der einzige Kandidat gewesen, den Sportdirektor Michael Zorc vorgeschlagen habe. Zorc selbst sprach von einer „sehr überzeugenden Lösung. Dieser Trainer passt mit seiner begeisternden Art zu Borussia Dortmund, der Stadt und der Region, in der Fußball intensiver gelebt wird als anderswo.“ Zudem lobte er Klopps „konstruktiven, attackierenden Fußball, der ebenfalls zum BVB passt“.

Klopp, dieser ebenso temperamentvolle wie redegewandte Mann, weckt an neuer Wirkungsstätte nach einer Saison voller langweiliger und ermüdender Darbietungen eine gesteigerte Erwartungshaltung. Dabei bemühte er sich erst gar nicht, der hochwogenden Hoffnung entgegenzusteuern. Es sei eine „großartige Geschichte, diese Sache anzugehen, ich habe eine Riesenlust, das hier zu machen.“ Tatsächlich könnte Borussia Dortmund nach vielen Rückschlägen von diesem energiegeladenen Typen profitieren. Klopp sprach von „dieser Leidenschaft für den Fußball, die in mir tobt“, und die er seinen Spielern vermitteln will: „Rasenschach hat noch keine meiner Mannschaften gespielt.“ Die Fans werden solche Worte nach der vergangenen Saison mit Wohlwollen aufnehmen. Klopp hat das Potenzial, den Schulterschluss mit den Anhängern zu schaffen. Seinen Vorgängern Doll, Röber und van Marwijk war das nicht gelungen – sie scheiterten unter anderem daran.

Den Skeptikern im Dortmunder Umfeld, denen Klopp zu kumpelhaft rüberkommt, und die sich einen autoritären Trainer gewünscht hatten, entgegnete er: „Wer mich im Fernsehen jubeln sieht, kann leicht der Meinung sein, dass mir die Distanz fehlt.“ Dabei wisse er genau, „dass Fußball als Mannschaftssportart einen ganz klaren Rahmen hat.“ Der sei in erster Linie an Disziplin festzumachen, „die sich immer am Menschen orientiert. Wir sind ja nicht beim Militär.“

Bei der EM wird Klopp auch als Nebenmann von Johannes B. Kerner beim ZDF seine Abschiedsvorstellung im Fernsehen geben, fünf Tage später ist in Dortmund Trainingsauftakt. Klopp ist die Vorfreude auf den neuen Job im Gesicht abzulesen: „Hier in Dortmund wird nicht jeden Tag die Sonne scheinen, aber wir haben sehr gute Möglichkeiten, sie öfter scheinen zu lassen.“ Felix Meininghaus

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