Jürgen Klopp nimmt eine Auszeit : Loslassen, um wieder zupacken zu können

Immer langsam mit dem neuen Trainerjob. Jürgen Klopp macht nach sieben Jahren Borussia Dortmund erst einmal Pause. Mal nichts tun? Aber ja doch, meint Michael Rosentritt in seinem Kommentar.

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Rucksack gepackt - auf geht's! Aber zunächst mal nicht zu einem neuen Verein. Jürgen Klopp macht Pause.
Rucksack gepackt - auf geht's! Aber zunächst mal nicht zu einem neuen Verein. Jürgen Klopp macht Pause.Foto: dpa

Pause. Einfach mal nichts tun. Abschalten. Innehalten. Auftanken. Jürgen Klopp hat das kleine Geheimnis um seine nähere Zukunft gelüftet und will bis auf Weiteres eine Pause einlegen. Ist ja nicht so, dass der 47 Jahre alte Trainer nicht an renommierter Stelle untergekommen wäre, in Manchester, Liverpool oder Madrid. Das muss man erst einmal beiseite schieben können.

Klopps Entscheidung ist nachvollziehbar, weil irgendwie logisch und konsequent. Vor allem ist sie authentisch nach dieser intensiven wie sonderbaren Bauch-Herz-Kopf-Beziehung zu Borussia Dortmund. Diese Zeit war nicht nur schön und erfolgreich, sie war auch schlauchend. Aufbrauchend.

Klopp lebt als Trainer von seinem Schwung und seiner Power, von seiner Energie und seiner Ansprache. So konnte er den taumelnden Großverein aufrichten und mitreißen. Gerade diese Art raubt Kraft. Nicht zu vergessen die mediale Präsenz, die damit einherging. Ja, Klopp konnte auch die Medien hervorragend bedienen, ohne dass es ihn sonderlich angestrengt hätte. Aber am Ende war alles ein bisschen viel.

Abschied ohne kitschiges Finale
Am Boden. Jürgen Klopp galt die Aufmerksamkeit vor, während und nach dem Pokalfinale. Obwohl der ein oder andere Fan das Thema anschließend schnell für sich beendet hatte.Weitere Bilder anzeigen
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31.05.2015 12:22Am Boden. Jürgen Klopp galt die Aufmerksamkeit vor, während und nach dem Pokalfinale. Obwohl der ein oder andere Fan das Thema...

Klopp steht damit in einer interessanten Linie von Trainern, die den Mut zu einer mehr oder minder selbst gewählten Auszeit hatten. Wie Pep Guardiola, Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld. Trainerkollegen, die keine Angst zu haben brauchten, deswegen an Attraktivität zu verlieren oder in Vergessenheit zu geraten. Selbst Thomas Tuchel, der noch gar nicht so viel erreicht hat, dem aber eine große Zeit vorhergesagt wird, ist das nicht als Nachteil ausgelegt worden.

Jürgen Klopp – und das wurde gerade wieder in den Stunden nach dem verlorenem Pokalfinale deutlich – ist weit sentimentaler und sensibler als sein Wirken nach außen zuließ. Hier liegt seine wahre Gabe vergraben: anderer Menschen Herzen erreichen, sie für eine Aufgabe gewinnen und mitreißen zu können. Wie könnte einer, der die Beziehung zum BVB so haltlos lebte, über Nacht einen anderen Verein in sich aufnehmen?

Klopp lässt los, um wieder zupacken zu können. Vielleicht macht er dann etwas im Kleinen, oder steigt noch einmal ganz oben ein. Die Chancen werden sich ihm bieten.

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