• Jürgen Klopp will aus 3:3 gegen Wolfsburg lernen: Defensives Dortmunder Durcheinander

Jürgen Klopp will aus 3:3 gegen Wolfsburg lernen : Defensives Dortmunder Durcheinander

Nach dem 3:3 gegen Wolfburg resümiert Jürgen Klopp: „Heute haben wir vieles gesehen, was man im Fußball nicht machen sollte – und wie man es wiedergutmachen kann!“

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Gedankenverloren. In Wolfsburg war Jürgen Klopps Mannschaft unkonzentriert. Foto: dpa
Gedankenverloren. In Wolfsburg war Jürgen Klopps Mannschaft unkonzentriert. Foto: dpaFoto: dpa

Ach, Bundesliga ... Es ist vielleicht auch nicht so einfach, sich von den europäischen Gipfeln zurück in die heimische Ebene zu bewegen. Etwa nach Wolfsburg, zum vorletzten Spieltag der nationalen Meisterschaft. Es ging um nichts mehr, mal abgesehen von der Reputation, aber die ist den Fußballspielern von Borussia Dortmund nach dieser Saison ohnehin nicht mehr zu nehmen. Aber: Hätten sie vor zwei Wochen im Estadio Santiago Bernabeu mit ähnlicher geistiger und räumlicher Distanz verteidigt wie am Samstag am zugigen Mittellandkanal – ein Orkan madrilenischer Leidenschaft hätte sie hinfortgeblasen, weit weg vom Londoner Wembleystadion, wo es am 25. Mai gegen den FC Bayern um den Sieg in der Champions League geht.

Später, als alles mit einem spektakulären 3:3 dank zweier später Tore von Marco Reus überstanden war, sprach Jürgen Klopp den Satz: „Heute haben wir vieles gesehen, was man im Fußball nicht machen sollte – und wie man es wiedergutmachen kann!“ Wenn denn alle Fehler ihr Gutes haben, so man nur aus ihnen lernt und sie kein zweites Mal begeht, dann ist dem Dortmunder Trainer in Wolfsburg viel Gutes widerfahren.

„Passivität, viel zu viel Passivität“ hatte Klopp am Samstag verortet. „Es reicht eben nicht, 99 Prozent zu geben, es müssen 100 Prozent sein“, sagte Verteidiger Marcel Schmelzer. Im Zentrum des Defensivverbands herrschte eine Unordnung wie zuletzt beim Fast-Konkurs auf den Konten der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Und das lag keineswegs allein am Aushilfs-Innenverteidiger Felipe Santana, der war nur exponierter Repräsentant. Bei einem Wolfsburger Tor war Santana zu spät gekommen, bei einem zweiten hatte er unhaltbar abgefälscht und ein weiteres hätte er beinahe selbst geschossen, wäre der Pfosten einem Eigentor nicht im Weg gewesen.

Nichts gegen Wolfsburg im Allgemeinen, aber wann haben die braven Burschen in ihren grünen Leibchen zuletzt drei Tore binnen zwölf Minuten geschossen? Und nichts im Besonderen gegen Spieler wie Ivica Olic, aber die Bayern haben ihn im vergangenen Sommer nicht aus einer Laune heraus fortgeschickt. Am Samstag huschte er mit dem Ball am Fuß durch die Dortmunder Abwehr wie Hui Buh mit seiner rostigen Rasselkette durch Schloss Burgeck. Olics Nebenmann Ivan Perisic war im Winter nicht mehr gut genug für eine Weiterbeschäftigung in Dortmund und wurde deshalb nach Wolfsburg veräußert. Dass er nun gegen die alten Kollegen seine ersten beiden Saisontore schoss, spricht auch für sein Talent, aber vor allem für ein Aufmerksamkeitsdefizit bei eben jenen alten Kollegen.

Perisic hatte vorher bei Klopp angefragt, ob er ihm nicht Karten für das Finale von Wembley besorgen könne. Er wolle unbedingt nach London fliegen, obwohl es eng werden könne wegen vaterländischer Verpflichtungen, denn es stehen Länderspiele an mit der kroatischen Nationalmannschaft. „Ehrensache, dass er die Karten bekommt“, sagte Klopp und dass seine Mannschaft ja eigentlich 5:1 gewonnen habe – alles Auslegungssache, wem die Perisic-Tore gehören. Obwohl: Bei 7,5 Millionen Euro Ablösesumme für einen Ersatzspieler ist den Wolfsburgern auch ein moralisches Recht auf einen Erstzugriff nicht abzusprechen.

Die Dortmunder Zuschauer feierten Perisic für seine beiden Tore mindestens genauso laut wie die Wolfsburger. Die ersten zwanzig Minuten hatten die schwarz-gelben Romantiker noch als Zeichen des Protests gegen zu viel Kommerz im Profifußball außerhalb des ihnen zugedachten Ecks im Wolfsburger Stadion verbracht. Die zweite Halbzeit gestalteten sie mindestens genauso überlegen wie ihre Spieler auf dem Platz, mit nicht enden wollenden „Boruuussiiiiiaaa!“-Gesängen. Vielleicht war es auch schon Vorfreude auf den letzten Spieltag, von dem nur eiskalte Antiromantiker behaupten, dass es um nichts mehr geht. Ganz im Gegenteil, es geht gegen die TSG Hoffenheim und um die lange erhoffte Genugtuung, die Mutter aller Plastikvereine zurück in die Zweite Liga zu schießen.

Ach, Bundesliga ...

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