Jürgen Kohler : WM-Titel als Karrierebremse

Helden ohne Arbeit: Benedikt Voigt wundert sich, warum die Fußball-Weltmeister von 1990 keine Jobs finden.

Benedikt Voigt

Vielleicht sollte man es nicht zu laut sagen. Damit es die aktuellen Fußballnationalspieler nicht mitbekommen. Denn als Fan müsste man ihnen raten, alles dafür zu tun, um mit der deutschen Mannschaft im nächsten Jahr in Südafrika den Weltmeistertitel zu holen. Als Freund kann man das aber nicht empfehlen. Der WM-Titel scheint ein Karrierehindernis zu sein.

Das erleben gegenwärtig die Weltmeister von 1990. Kein Profiklub will etwas von ihnen wissen. Nicht von Jürgen Klinsmann, der nach seinem Rauswurf beim FC Bayern letztmals im Urlaub in Italien gesichtet worden ist. Nicht von Andreas Brehme, der als DFB-Botschafter die Aktion „1000 Mini-Spielfelder für Kinder und Jugendliche“ leitet. Nicht von Klaus Augenthaler, der zuletzt im Bayerischen Rundfunk die Fußballsendung „Heute im Stadion“ mitmoderierte. Nicht von Stefan Reuter, der im Februar beim TSV 1860 München als Manager entlassen worden ist. Nicht von Guido „Diego“ Buchwald, der schon vor zwei Jahren als Trainer bei Alemannia Aachen gescheitert ist. Und schließlich wäre da noch Lothar Matthäus...

Immerhin, für Jürgen Kohler geht es im Alter von 43 Jahren wieder los. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat er einen Spielerpass für die kommende Fußballsaison beantragt. Für den SV Alemannia Adendorf. In der Kreisliga. Zeit zum Kicken hat er ja wieder, im Mai ist er vom Sportdirektorenposten beim Drittligisten VfR Aalen zurückgetreten. Vielleicht startet sie ja jetzt endlich in Adendorf, Jürgen Kohlers Karriere nach der Karriere.

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