• Jürgen Röber: Nach vier Siegen in Testspielen muss der Hertha-Trainer bereits die Erwartungen dämpfen

Sport : Jürgen Röber: Nach vier Siegen in Testspielen muss der Hertha-Trainer bereits die Erwartungen dämpfen

Klaus Rocca

Von der Bar dröhnte "We are the Champions", und die Hoteldirektorin hatte Champagner kredenzt. Irgendetwas Großes musste passiert sein, hätte man denken können. Dabei hatten die Fußballer von Hertha BSC doch nur den Sommer-Cup in Zell am See gewonnen. Für die Gastgeberin des zehntägigen Trainingslagers des Berliner Fußball-Bundesligisten Grund genug, die Gläser klingen zu lassen.

Immerhin, es passte ins Bild dieser zehn Tage. "Spaß" - das war das Wort, das immer wieder fiel. Jürgen Röber, der Trainer, spürte ihn bei seinen Spielern und bei sich selbst, Manager Dieter Hoeneß wollte ihn auch immer wieder bemerkt haben. Nun wolle man alles tun, damit auch die Zuschauer wieder Spaß an Hertha haben. Der kam in der letzten Saison bekanntlich zu kurz.

Wenn dieses Trainingslager Maßstab war, dann ist der Optimismus berechtigt. Vor allem beim 2:0-Sieg über den Hamburger SV, der den riesigen Pokal und einen Scheck über 40 000 Mark bescherte, keimte Hoffnung auf. Man sollte solche Testspiele in dieser frühen Vorbereitungsphase nicht überbewerten, doch es war zeitweise schon sehenswert, wie da im Wehspitzstadion von Zell am See der Ball lief.

Und dann das zweite Tor, das von Alex Alves. Vier Hamburger ließ er stehen, gekonnt war auch der Schuss. "Alex hatte da wohl einen dicken Hals", kommentierte Röber. Sollte heißen: Alves, von seinen Mitspielern oft übersehen, wollte mit dem tollen Solo seinen ganzen Frust abreagieren. Hoeneß ermahnte dann auch die Mitspieler des Brasilianers, "ihn noch mehr zu suchen und anzuspielen". Da schwang die Hoffnung mit, bei Alves könnte in dieser Saison der Knoten platzen. Muss er auch, bei so hohem Anspruchsdenken, begründet vor allem durch die 15 Millionen Mark Ablösesumme.

Fast ebenso wichtig wie die erhoffte Leistungssteigerung von Alves ist für Hoeneß die erforderliche Harmonie zwischen den beiden Mittelfeldspielern Stefan Beinlich, Schütze des ersten Tores gegen den HSV, und Dariuz Wosz. Beide hätten, so Hoeneß, im Trainingslager von Kaprun jenen "die passende Antwort gegeben", die da meinen, beide passten nicht zueinander. Ein Urteil, das ein wenig zu früh zu kommen scheint, doch warum sollen nicht zwei harmonieren, die in ihrer Spielanlage ähnlich sind. Und von Animositäten war weder auf dem Trainingsplatz noch im Hotel etwas zu spüren.

In der Vorbereitung auf die am 12. August mit dem Auswärtsspiel beim FC Bayern beginnende Saison hat Hertha alle vier bisherigen Testspiele mit einem Gesamttorverhältnis von 43:1 gewonnen. "Manche jubeln uns jetzt schon hoch. Ich muß die Erwartungen dämpfen", meint Röber. Sicher ist Hertha weiter als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres, aber auch das will nichts heißen. Die geringere Belastung durch den Uefa-Cup und ein gesteigertes spielerisches Niveau durch Beinlich machen eher Hoffnung.

Schon am Montag folgt das Ligapokal-Spiel in Lübeck, erneut ist der HSV der Gegner. Am 6. August überprüft Hertha dann die Form im Olympiastadion gegen AS Rom (Anstoß 16 Uhr). An diesem Tag findet auch die Saisoneröffnungsfeier für die Fans statt (ab 12 Uhr), die ursprünglich mal für den 30. Juli terminiert war.

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