Sport : Jugend gegen Nationalspieler

Hertha BSC ist gut gestartet – jetzt drängt Kevin-Prince Boateng ins Team

Stefan Tillmann

Berlin - In Gelsenkirchen überließen gleich alle 22 Fußball-Nationalspieler das Feld Kevin-Prince Boateng. In der Halbzeitpause des Testspiels Deutschland gegen Schweden bekam der Mittelfeldspieler von Hertha BSC die Fritz-Walter-Medaille als bester Nachwuchsspieler der vergangenen Saison überreicht. Das ist zwei Wochen her, und der 19-Jährige hatte nach seinem Meniskusanriss an diesem Tag erst wieder mit dem Lauftraining begonnen. Sieben Pflichtspiele musste Herthas Trainer Falko Götz ohne Boateng auskommen. Götz fand ohne ihn eine Stammelf mit sieben Nationalspielern. Nun ist Boateng wieder fit – vielleicht muss bald erneut ein Nationalspieler für das Talent weichen.

Am Sonntag im Bundesligaspiel beim Hamburger SV (1:1) wechselte Hertha-Trainer Falko Götz Boateng in der zweiten Halbzeit für den angeschlagenen Linksverteidiger Malik Fathi ein, der seit dem Länderspiel gegen Schweden Nationalspieler ist. Götz wollte mit einer Dreierkette in der Abwehr und einem zusätzlichen Mittelfeldspieler Druck auf die Hamburger Defensive ausüben. Mit Erfolg: Boateng belebte Herthas Spiel und bereitete Gimenez’ Ausgleich vor, wenngleich der Zufall da auch mithalf.

Nun hat Falko Götz zwei Wochen Zeit, Boateng noch näher an die Mannschaft heranzuführen. Wegen der Länderspiele spielt Hertha BSC erst am 10. September bei Darmstadt 98 in der ersten Runde des DFB-Pokals. Vor allem Pal Dardai, Defensivmann in der Mittelfeldraute, muss seinen Platz behaupten. Der 30-Jährige spielte in Hamburg jedoch in der ersten Halbzeit stark. Gestern reiste er zur ungarischen Nationalmannschaft, die am Samstag in der EM-Qualifikation gegen Norwegen spielt. Möglich auch, dass Boateng den Platz im rechten Mittelfeld anstrebt. Dort spielte am Sonntag zum ersten Mal Patrick Ebert für den erkrankten Ellery Cairo von Beginn an. Dann würde Boateng keinen Nationalspieler verdrängen und wäre der einzige junge Spieler im Team. Der 22-jährige Malik Fathi zählt mit seinen 73 Bundesligaspielen in dem jungen Kader schon zu den Erfahrenen und spielt beim Trainingsspiel Jung gegen Alt bei den Älteren mit.

Erlebnisfußball und die Entwicklung junger Spieler stehen in dieser Saison bei Hertha BSC im Mittelpunkt. Talente sollen den Sprung aus der zweiten Mannschaft in das Profiteam schaffen. Nach drei Bundesligaspielen können die Berliner zufrieden sein. Der deutliche 4:0-Sieg gegen Hannover 96 beim ersten Heimspiel hat sich zwar durch das blamable 0:3 der Niedersachsen gegen Aufsteiger Aachen nachträglich relativiert. Dafür konnte Hertha BSC in Hamburg auf sehr hohem Niveau dagegenhalten und war lange Zeit die bessere Mannschaft. Sofern Ellery Cairo ins Team zurückkehrt und Boateng noch etwas Zeit benötigt, steht zwar kein U-20-Spieler in der ersten Elf, aber Trainer Götz verfügt zumindest über hoffnungsvolle Alternativen. Im Sturm hat Hertha mit Marko Pantelic und Christian Gimenez ein Duo gefunden, das gut zu der offensiven Spielweise passt.

Nur die Abwehr könnte Falko Götz Sorgen machen. Wie in Tiflis konnte auch in Hamburg der Gegner nach einer Standardsituation aus fünf Metern einen Treffer erzielen. Dick van Burik ließ Boubacar Sanogo einköpfen, nachdem Collin Benjamin vollkommen unbedrängt von der rechten Seite hatte flanken können. Es passte zu der guten Stimmung bei den Berlinern, dass Götz den Fehler nicht bei seinen Spielern suchte: „Das Ding muss ich auf meine Kappe nehmen, ich habe die Zuordnung gemacht.“

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