Jugendfußball : Viele kleine "Poldis" und "Schweinis"

Nach der begeisternden Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land strömt der Nachwuchs in die deutschen Vereine. Einen überproportionalen Zuwachs gibt es bei den Mädchen.

Hamburg - "In der Altersgruppe der Jugendlichen ist gegenüber 2005 ein Zuwachs an Pass-Ausstellungen von 30 Prozent zu registrieren", stellte DFB-Präsident Theo Zwanziger angesichts des ausgelösten Fußball-Booms zufrieden fest. Zwar lagen zum Jahreswechsel nur vorläufige Zahlen vor, doch laut einer Umfrage bei den Landesverbänden steht fest, dass der Zuwachs bei den kleinen "Poldis", "Schweinis" & Co. groß und bei den Mädchen sogar überproportional hoch ist. "Das freut mich besonders", betonte Zwanziger, denn der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist ein bekennender Fan und Förderer des Frauenfußballs.

In den Landesverbänden, die erst Ende Januar 2007 mit endgültigen Zahlen für das WM-Jahr rechnen, gilt das rauschende WM-Fest im Sommer als enormer Motivationsschub für Jung-Kicker und -Kickerinnen. "Die Welle der WM-Begeisterung ist natürlich noch deutlich zu spüren", sagte der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), Rainer Koch - und bestätigte den allgemeinen Trend: "Wir haben einen unwahrscheinlichen Zulauf von Jugendlichen und Kindern, der bei den neu gewonnenen Mädchen-Teams sogar mehr als 25 Prozent beträgt." Zudem habe sich die Werbe-Offensive an Schulen äußerst positiv ausgewirkt. Koch: "Die gesellschaftliche Dimension des Fußball-Sports ist den Lehrkräften noch nie so deutlich vor Augen geführt worden."

"Ein regelrechter Boom"

"Explosionsartige Steigerungsraten" und ein "ungebrochener Mitglieder-Boom" auch im größten Bundesland: In Nordrhein-Westfalen wurden vom 1. Juli bis 30. Oktober allein bei Jungen (bis 18 Jahre) und Mädchen (bis 16) rund 11.200 Erstausstellungen von Spielerpässen mehr beantragt als im gleichem Zeitraum 2005. "Man kann von einem regelrechten Boom sprechen. Er stellte uns vor organisatorische Herausforderungen, da viele neue Teams zum Teil in den laufenden Spielbetrieb integriert werden mussten", sagte Präsident Hermann Korfmacher vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW).

In Niedersachsen haben in den drei Monaten nach der Heim-WM rund 20.000 Kinder mit dem Fußballspielen angefangen. Bis zum Jahresende erwartet der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) für 2006 die Rekordzahl von 40.000 neuen Mitgliedern. Beim Württembergischen Fußball-Verband (WFV) wurde die Zahl der Jugendteams klar gesteigert, wobei die Mädchen (plus 11 Prozent) den Löwenanteil daran haben. Beim Nachbarn Südbadischer Fußball-Verband (SFV) lag laut Siegbert Lipps der Zuwachs im Mädchen-Bereich "bei fast 20 Prozent. Die WM hat auf jeden Fall positiv gewirkt", erklärte der SFV-Geschäftsführer.

Schub durch die WM

"Wir haben einen Schub durch die WM bekommen", urteilte Spielbetriebsleiter Lutz Fichtner vom Sächsischen Fußball-Verband (SFV). Auch dort seien "viele Vereine nach der WM in die Schulen gegangen und haben sich vorgestellt", berichtete er. Vor allem bei den "Mini-Kickern" boomt es, meldeten übereinstimmend auch die Verbände Sachsen-Anhalts, Thüringens und Mecklenburg-Vorpommerns. "Im Jugendbereich zwischen 7 und 12 Jahren haben wir 2000 Anmeldungen mehr registriert als im Vorjahr", sagte für Mecklenburg-Vorpommern Geschäftsführer Fritz Zarpentin. "Das ist sehr viel für unser Land, das der Anteil der Jugendlichen in der Bevölkerung gering ist." (Von Thomas Prüfer, dpa)

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