Julius-Hirsch-Preis : DFB zeichnet Projekte gegen rechts aus

Bremer Fans schritten ein, als Rechtsradikale im Stadion ein rechtes Spruchband entrollen wollten. Nun erhielten sie gemeinsam mit anderen Gruppen für ihre Zivilcourage den Julius-Hirsch-Preis.

Stefan Hermanns

Wenn eine Jury einen Preis vergibt, bleibt immer ein gewisses Restrisiko, ob sie wirklich den Richtigen ausgewählt hat. Die Jury des Julius-Hirsch-Preises muss sich diese Sorge nicht machen. Vor knapp zwei Wochen durfte sie sich in ihrem Votum eindrucksvoll bestätigt fühlen. Beim Bundesligaspiel in Bochum schritten die Fans von Werder Bremen ein, als Rechtsradikale in ihrer Kurve ein rechtes Spruchband entrollen wollten. „Zivilcourage ist kein Fremdwort für die Bremer Fans“, sagte Otto Schily, der Jury-Vorsitzende des Julius-Hirsch-Preises. Die Anti-Diskriminierungskampagne von Werder erhielt gestern im Jüdischen Museum den mit 4000 Euro dotierten dritten Preis. Die Auszeichnung in Silber (6000 Euro) ging an die Leipziger Faninitiative „Bunte Kurve“, Erster (10 000 Euro) wurde das Projekt „Fußballvereine gegen Rechts“ aus Düren.

Nationalspieler Julius Hirsch wurde 1943 in Auschwitz ermordet

Zum vierten Mal vergab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Preis, der nach dem Nationalspieler Julius Hirsch benannt ist. Hirsch wurde nach 1933 als Jude in Deutschland entrechtet und im März 1943 in Auschwitz ermordet. Mit dem Preis würdigt der DFB Engagement gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit. Jo Ecker von der ausgezeichneten Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“ ist das beste Beispiel. „Selbst Morddrohungen können ihn nicht abhalten“, sagte Schily. Angefangen hat für Ecker alles mit einem Spiel der D-Jugend seines Sohnes: „Da haben sieben, acht Holzköpfe ihre Parolen gegen zehn- bis zwölfjährige Kinder gebrüllt.“ Ecker beschloss: „In unserem Düren lassen wir so etwas nicht zu.“

Die Initiative „Bunte Kurve“ ist aus dem Projekt „Wir sind Ade“ hervorgegangen, mit dem die Fans des FC Sachsen Leipzig auf rassistische Beleidigungen gegen den Nigerianer Adebowale Ogungbure reagiert haben. Nicht überall ist die Initiative auf Gegenliebe gestoßen. Mitinitiator Christopher Zenker berichtete von dem Vorwurf, sie trügen die Politik ins Stadion. „Das hat mit Politik nichts zu tun“, sagte er. „Das ist einfach gesunder Menschenverstand.“

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