• „Jung oder alt – das ist egal“ Rudi Völler über die Perspektiven der Fußball-Nationalmannschaft

Sport : „Jung oder alt – das ist egal“ Rudi Völler über die Perspektiven der Fußball-Nationalmannschaft

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RUDI VÖLLER (43)

ist seit Juli 2000

Teamchef der Fußball Nationalmannschaft. Als Spieler war er 1990

Weltmeister, als Trainer 2002 im WM-Finale.

Foto: dpa

Herr Völler, am Mittwoch beginnt mit dem Länderspiel in Kroatien das EM-Jahr. Machen Sie sich Sorgen?

Warum sollte ich mir Sorgen machen?

Die Nationalmannschaft hat seit dem 1:0 in England vor dreieinhalb Jahren neun Spiele hintereinander gegen die so genannten großen Mannschaften verloren.

Sicherlich ist diese Bilanz schlecht. Aber ich nenne Ihnen auch mal eine andere Statistik: Wir haben in meiner Amtszeit von 25 Pflichtspielen nur zwei verloren: das WM-Finale gegen Brasilien und in München 1:5 gegen England. Wir haben uns für die EM, sicherlich trotz einiger enttäuschender Spiele, letztlich souverän qualifiziert. Wir haben uns auch für die Weltmeisterschaft qualifiziert. In den wichtigen Spielen, in denen es ums Eingemachte ging, haben wir immer unsere Leistung gebracht.

Wo steht denn die Nationalmannschaft im Vergleich zum Team der Weltmeisterschaft 2002?

Das ist eine gute Frage. Positiv ist, dass viele junge Spieler dazugekommen sind. Deshalb glaube ich, dass wir jetzt eine höhere Qualität haben. Wir müssen uns außer vor Frankreich vor keiner Mannschaft verstecken. Die Franzosen stehen im Moment einfach ein gutes Stück vor allen anderen, die haben eben eine Traumgeneration mit Zidane und Henry an der Spitze.

Sehen Sie die jungen deutschen Spieler wirklich schon so weit?

Derzeit haben wir in der U 21 einen oder zwei Jahrgänge, wie wir sie schon lange nicht mehr gehabt haben. Das gab es in den letzten 20 Jahren nicht mehr, dass vier oder fünf U-21-Spieler schon den Sprung in den Nationalmannschaftskader geschafft haben. Meine Hoffnung ist, dass mindestens einer von denen nicht nur einfach Nationalspieler wird, sondern mal ein Weltklassefußballer. Auch die Weltmeistermannschaft von 1990 hat auf dem Stamm einer herausragenden U 21 aufgebaut. Damals bin ich mit Pierre Littbarski, Lothar Matthäus und Guido Buchwald Vize-Europameister geworden.

Ist es denkbar, dass Sie gleich mehrere junge Spieler mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2006 mit nach Portugal nehmen?

Wichtig ist zunächst, dass wir bei der EM gut abschneiden. Ob mit jungen oder alten Spielern ist egal. Die WM 2006 ist sicher schon am Horizont, jetzt zählt nur die EM. Wir haben aber dank der jungen Spieler die komfortable Situation, den Konkurrenzdruck hoch zu halten. Deshalb habe ich auch 24 Spieler für das Länderspiel gegen Kroatien nominiert. In den kommenden Monaten müssen sich einige Spieler beweisen, die auf der Kippe stehen.

Die Fragen stellte Daniel Meuren.

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