Sport : Jung und erfolgreich - Der Verein fördert ganz gezielt die Talente

Helen Ruwald

Drei Jahre ist es her, da nahm Conny Pohlers Reißaus. Die Fußballerin war knappe 18, abenteuerlustig und neugierig auf die weite Welt. Die war zwar nur ein Dorf, aber immerhin. Von Potsdam zog Pohlers nach Niederkirchen und spielte an der Seite von Heidi Mohr, Deutschlands einst erfolgreichster Angreiferin, in der Bundesliga. Nach einem halben Jahr bekam sie Heimweh und kehrte zurück in die Großstadt, zurück zu Turbine Potsdam. "Diese Sache hat uns sehr geholfen", sagt Trainer Bernd Schröder. So konnte er nämlich seinen jungen Spielerinnen demonstrieren, wie gut es ihnen geht - obwohl sie anderswo mehr verdienen können. In Potsdam haben sie am Olympiastützpukt am Luftschiffhafen dafür optimale Trainingsbedingungen. In einem Fußball-Internat werden Talente intensiv gefördert und können, anders als anderswo, schon früh in der Bundesliga auflaufen. "Hier habe ich die besten Bedingungen", sagt Pohlers inzwischen.

Der 1. FFC Turbine Potsdam hat das jüngste Team der Bundesliga. Zur ersten Elf zählen sieben Spielerinnen, die noch keine 20 Jahre alt sind. Die jungen Wilden kämpften sich in dieser Saison zwischenzeitlich bis auf Platz zwei vor. Zwei Spieltage vor Saisonende ist die Mannschaft zwar auf den fünften Rang zurückgefallen, liegt aber nur einen Punkt hinter dem Dritten Sportfreunde Siegen. "Normalerweise würde jeder Trainer sagen, mit diesen Leuten kannst du nichts erreichen", sagt Schröder über seinen Kader, einfach weil sie so jung sind, ihnen Erfahrung, Konstanz und ausgefeilte Technik fehlen. Aber Schröder lässt sich dadurch nicht schrecken. Seit rund 30 Jahren ist der 58-Jährige Frauenfußballtrainer. Er macht aus der Trainingslehre eine Wissenschaft, spricht vom "hohen Grad von Willensqualität" seiner Spielerinnen und erzählt stolz, dass er beim Hallentraining im Winter sogar eine Lichtschranke zum Messen der Schussgeschwindigkeiten einsetzen könne.

Schröder war es auch, der vor drei Jahren das Internat mitgegründet hat, eine in dieser Form in Deutschland einmalige Sache. Jährlich werden zehn Mädchen, meist Siebtklässlerinnen, neu aufgenommen. Sie besuchen das Sportgymnasium und fahren am Wochenende heim zu ihren Vereinen in Brandenburg und anderswo. Wenn sie gut und alt genug sind, rücken sie in das Bundesligateam auf. Zwölf Mädchen aus dem derzeitigen 22er-Kader stammen aus dem Internat. Die Jugendarbeit zahlt sich aus. Zwei Spielerinnen gehören zur Nationalmannschaft der Unter 16-Jährigen, eine zur U 18, vier zur U 21. Ariane Hingst ist Leistungsträgerin in der Frauen-Nationalmannschaft - und bleibt Potsdam treu, obwohl ihr Angebote vom Deutschen Meister FCR Duisburg und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt vorlagen.

Schröder gilt als autoritär. Er weiß das - und findet es gut. "Ich muss auf einem Podest stehen und darf nicht runterfallen. Ich darf nicht angreifbar sein", sagt er über seine Beziehung zu den vielen pubertierenden Mädchen. Nähe sollen Assistenztrainer und Landestrainer, beides Männer unter vierzig, herstellen. Schröder selbst steht für Distanz. "Wenn eine Spielerin mit einem Problem zu mir kommt, müssen alle Brücken gebrochen sein. Ich löse nur die schwierigsten Fälle."

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