Sport : Jung und ungestüm

Maria Riesch ist die deutsche Hoffnung der Skisaison

Maria Saegebarth

Mit atemberaubendem Tempo fuhr sie durchs Ziel, öffnete das Visier ihres Helms und konnte es kaum glauben: gewonnen! Keine neun Monate ist es her, seit Maria Riesch ihren ersten Weltcup-Erfolg in der Abfahrt feierte. Zwei weitere Siege und der der dritte Platz im Gesamtweltcup folgten. Der deutsche Skisport hatte wieder einen Star.

Heute startet die 19-Jährige beim Riesenslalom in Sölden (12.10 Uhr, live im ZDF) in ihre zweite Saison. Ihr Bekanntheitsgrad ist gestiegen, die Unbekümmertheit geblieben. Gelassen erträgt Riesch den Rummel um ihre Person, geschickt lenkt sie den gestiegenen Druck in erträgliche Bahnen. „Ich fahre für mich Ski und lasse mich davon nicht verunsichern“, sagt sie. „Ich weiß, dass die letzte Saison kaum zu toppen ist, trotzdem ist der Gesamt-Weltcup ein Thema.“ Das soll aber nicht heißen, dass sie sich als Favoritin sieht. „Bei einem schlechten Ergebnis muss ich mir keine Gedanken machen.“

Schon jetzt hat sie die Konkurrenz im Deutschen Skiverband (DSV) hinter sich gelassen. Mit ihrer selbstbewussten Art ist die Athletin vom SC Partenkirchen an Hilde Gerg und Martina Ertl vorbei gezogen. Das hat sie auch für Sponsoren interessant gemacht. Mit Rieschs unverbrauchtem Gesicht schmücken sich Audi und Redbull, sie bekam einen Gastauftritt in der Fernsehserie „Marienhof“. Doch das alles für sie sind nur Randerscheinungen. Seit Wochen konzentriert Maria Riesch sich auf den Riesenslalom in Sölden, der ihr den Weg in eine erfolgreiche Saison weisen soll. Wolfgang Maier korrigiert die Erwartungen vorbeugend schon mal nach unten. Der DSV-Cheftrainer sagt: „Maria ist immer schwer in den Winter gekommen.“ Jeder erwarte von ihr, dass sie in Sölden mindestens Fünfte wird – „aber ich stelle das brutal in Frage“.

Beim anspruchsvollen Riesenslalom tut sich Riesch mit ihrer Größe von 1,80 Meter ohnehin schwer. Trotzdem lässt sie nichts unversucht, diesmal schneller in Fahrt zu kommen. Im Sommer quälte sie sich im Kraftraum und auf dem Rad. „Ich hatte genug davon, dass mir Maier ständig meine Defizite im Kraft- und Konditionsbereich vorgehalten hat.“ Walter Vogel ist auf jeden Fall zufrieden mit der Vorbereitung seines Trios Riesch, Gerg und Ertl. „Wir starten optimistisch in die Saison“, sagt der Alpinchef des DSV. „Wir wollen auf den beachtlichen Ergebnissen des letzten Winters aufbauen.“ Das Ziel ist klar: Eine der Kristallkugeln für einen Weltcup-Gesamtsieg soll her. Maria Riesch wird das am ehesten zugetraut. Allerdings warnt Vogel davor, von der jungen Frau zu viel zu verlangen. Für den Anfang reicht ja auch ein Platz unter den ersten fünf.

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