Sport : Jung und Vorletzter

Der 16 Jahre alte Skispringer Tobias Bogner erlebt bei der Ski-WM in Sapporo ein schweres Debüt

Marc Beyer[Sapporo]

Mit etwas Abstand kann Tobias Bogner schon wieder lachen. Montagabend, erzählt er, seien die deutschen Skispringer im „Sapporo Biergarten“ gewesen, einem riesigen Saal, wo man einen Tisch zugeteilt bekommt mit einem heißen Stein drauf und dann 100 Minuten Zeit hat, um zu essen und zu trinken, so viel man will. Ziemlich lustig ist es da gewesen. Bevor sie die Taxis zurück ins Hotel bestiegen, hat Bogner noch ein Souvenir für seinen Bruder gekauft. Der Bierkrug wird ihm gefallen.

Am Wochenende hat der Jüngste in der Sapporo-Reisegruppe des Deutschen Skiverbandes (DSV) zwei weniger schöne Abende verbracht. Am Ende des zweiten standen dem 16 Jahre alten Bogner Tränen in den Augen, so enttäuscht war er über sein WM-Debüt. Es hatte verheißungsvoll begonnen mit enormen Trainingsweiten und einem sicheren Fluggefühl, doch als es ernst wurde, blieb davon nicht viel übrig. Den Einzelwettbewerb beendete er als Vorletzter, nachdem er fast 40 Meter kürzer als in seinem besten Trainingsversuch (133,5) gesegelt war. Das Teamspringen verlief bei Sätzen auf 102 und 113 Meter auch nicht viel erfreulicher.

Mittlerweile geht es ihm „eigentlich okay“, sagt Bogner, aber richtig bewältigt hat er den Rückschlag noch nicht. Dafür ist er zu jung und die Erinnerung zu frisch. Er hatte sich so gefreut über die Einladung zu seiner ersten WM. „Und wenn man da springt, will man auch was erreichen. Das ist ganz schön in die Hose gegangen.“ Nun sitzt er da, ist geknickt und sucht eine schlüssige Erklärung. Der Sprung habe halt „nicht so gestimmt“, doch warum, hat er für sich bislang nicht herausgefunden. Bundestrainer Peter Rohwein, erzählt Bogner, habe ihm auch empfohlen, „mir keinen großen Kopf zu machen“.

Letzte Woche hat er das noch gut geschafft. Vor der Eröffnungsfeier gab es in den Katakomben des Sapporo Dome einen improvisierten Pressetermin, bei dem der junge Berchtesgadener ein begehrter Gesprächspartner war. Auf der Schanze sei es „egal, wer wer ist“, befand Bogner kess. Seine Erfahrung im Seniorenbereich beschränkte sich auf das Teamspringen in Willingen, aber das flößte ihm keinen Respekt ein. Und so sprang er dann zunächst auch.

Jung und unbefangen zu sein, ist in der DSV-Mannschaft, die in diesem Winter viele traurige Momente erlebt hat, ein Privileg. Bogner und der ein Jahr ältere Kevin Horlacher, die von der Personalmisere profitiert haben, „realisieren noch gar nicht, worum es hier geht. Das ist ihr Vorteil“, sagte Rohwein – vor den Springen. Der Bundestrainer hat für Bogner den erfahreneren, aber formschwachen Georg Späth zu Hause gelassen. Das stärkt den Druck auf den Jüngsten, doch es besteht berechtigte Hoffnung, dass dieser Ballast nicht zu schwer sein wird. Im Training zum letzten Wettbewerb am Samstag sprang Bogner solide. Sollte er aufgestellt werden, wäre das Finale der besten 30 sein Ziel. Er hat den Eindruck, „dass ich das leicht schaffen kann“.

An Optimismus mangelt es ihm nicht. Seine Lebensmaxime hat sich Bogner von dem Maler Friedensreich Hundertwasser ausgeliehen: „Wenn einer träumt, ist es ein Traum. Wenn viele träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“ Er schaut jetzt nach vorne, schließlich ist diese Weltmeisterschaft für ihn in erster Linie eine Chance. „Wenn man nur die schlechten Dinge sieht, geht man irgendwann daran kaputt.“

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