Sport : Junge Hoffnung

Hertha muss heute im Uefa-Cup gegen Bukarest auf die Jugend setzen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Als Falko Götz gestern Nachmittag die Leibchen verteilte, verwirrte das einige Beobachter. Ausschließlich die jungen Spieler trugen beim Abschlusstraining von Hertha BSC vor dem Uefa-Cupspiel gegen Steaua Bukarest gelbe Hemden. Diese sind im Normalfall für das Team vorgesehen, das im kommenden Pflichtspiel tatsächlich auflaufen wird. Doch dieses Mal ließ Götz die Jungen gegen die Alten spielen. Die Jungen wirkten deutlich motivierter und waren besser. Götz wird das gefallen haben – im Heimspiel gegen Bukarest (20.45, live auf DSF) könnten gleich fünf Spieler aus der jüngeren Hälfte der Mannschaft zum Einsatz kommen.

Es gab gestern jedoch auch zwei Szenen der Übungseinheit, die Götz überhaupt nicht gefallen haben: Die erste ereignete sich während des Spiels, als Nando Rafael einem Ball hinterhersprintete und plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht stehen blieb – der Stürmer hat eine Leistenzerrung. Er wird wahrscheinlich nicht spielen können.

In der zweiten Szene spielte Josip Simunic die Hauptrolle: Nachdem der am Zeh verletzte Innenverteidiger kurz mit Physiotherapeut Jörg Blüthmann gesprochen hatte, nahm er nicht mehr an der abschließenden Torschussübung teil. „Es wird nicht gehen, die Schmerzen sind zu groß“, sagte er. Weil Dick van Burik wegen eines Muskelfaserrisses weiter ausfällt, wird wohl Sofian Chahed in die Innenverteidigung rücken und mit dem 23-jährigen Alexander Madlung die Innenverteidigung bilden. Der 22 Jahre alte Chahed hatte am vergangenen Samstag beim Hamburger SV bereits auf dieser Position gespielt und „gezeigt, dass er eine gute Alternative ist“, sagte Götz.

Chahed bekam in Hamburg überraschend wieder die Chance, sich in der ersten Mannschaft zu profilieren, nachdem er schon eineinhalb Jahre nicht mehr gespielt hatte. Dabei hatte es in der Rückrunde der Saison 2003/2004 bereits so ausgesehen, als ob Chahed sich bei den Profis durchgesetzt hätte. Sechsmal stand er in der Startformation. Dann stieg ihm der Erfolg zu Kopf, und die Leistungen im Training ließen nach. In Hamburg lobte Götz die Einstellung seines Defensivspielers. „Er ist ein Beispiel für den einen oder anderen, der den Kick noch nicht bekommen hat.“

Etwas schwieriger dürfte sich die Lücke im Angriff schließen lassen, die der wahrscheinliche Ausfall von Nando Rafael hinterließe. Stürmer Marko Pantelic darf im Uefa-Cup nicht eingesetzt werden, weil er in dieser Saison bereits für Roter Stern Belgrad in diesem Wettbewerb gespielt hat. Trainer Falko Götz wird sich wohl zwischen dem 19-jährigen Ashkan Dejagah und dem 18 Jahre alten Solomon Okoronkwo entscheiden müssen. „Ich weiß noch nicht, wer die Chance erhalten wird“, sagte Götz gestern. Dejagah hat in seiner Karriere erst ein Bundesligaspiel bestritten, Okoronkwo vier. Es spricht für Dejagah, dass Götz die Leistungen des Stürmers in der Regionalliga-Mannschaft Herthas zuletzt immer wieder lobte.

Um eine Runde weiter zu kommen, muss Hertha gar kein Tor erzielen, ein 0:0, das dritte im vierten Spiel, würde reichen. Doch nur bei einem Sieg würden die Berliner Gruppenerster werden und damit verhindern, auf ein aus der Champions League ausgeschiedenes Team zu treffen. Die jungen Spieler waren gestern im Trainingsspiel jedenfalls schwach bei der Chancenverwertung: Trotz zahlreicher Möglichkeiten erzielten sie nur zwei Tore. Das Spiel endete 2:2.

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