Sport : Junge Meister

Die Eisbären feiern ihren Titel und bringen das deutsche Eishockey voran

Claus Vetter

Berlin - Siegen können sie. Feiern auch. Ersteres bewiesen die Spieler des neuen und alten deutschen Eishockey-Meisters aus Berlin am Ostermontag beim dritten Finalsieg über die Düsseldorfer EG. Letzteres erwies sich dann in den Morgenstunden des Dienstags in einem Club im Bezirk Mitte. Als die Spieler bereits einige Getränke genossen hatten, wurde Peter John Lee ein wenig sentimental. Der Manager der Eisbären schaute wohlwollend in die feiernde Runde, in die vielen jungen Gesichter seiner Spieler. „Viele Klubs in der Deutschen Eishockey-Liga haben in dieser Saison mehr Geld für ihre Spieler ausgegeben als wir“, sagte Lee. „Trotzdem sind wir Meister geworden.“

Den Eisbären ist am Montag durch das 6:2 im dritten Play-off-Finalspiel das gelungen, was seit Gründung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im Jahr 1994 nur Mannheim geschafft hat: eine Titelverteidigung. Und die haben sie sich in Berlin nicht eingekauft, sondern erarbeitet. 38 Spieler wurden von den Eisbären in dieser Saison eingesetzt, viele davon waren sehr jung. „Ein Manager hat bei einem DEL-Klub ein Budget für 22 Spieler, ich aber habe eines für 39“, sagt Lee. Natürlich, das große Geld gebe es für die Jungprofis in Berlin nicht zu verdienen. „Dafür aber bieten wir ihnen Perspektiven.“ Verteidiger Frank Hördler und Stürmer Florian Busch sind mit 21 Jahren schon Leistungsträger im Team, erstaunlicher aber ist die Entwicklung von Christoph Gawlik. Der Stürmer ist erst 18 und hat in dieser Saison 14 Tore geschossen.

Das ist eine erstaunliche Leistung, findet auch Uwe Krupp. Der Bundestrainer übergab nach dem letzten Finalspiel am Ostermontag im Sportforum Hohenschönhausen die Medaillen an die Verlierer. Mehr noch als das Spiel der klar überlegenen Berliner gegen überforderte Düsseldorfer, die mit der gewonnen Halbfinalserie gegen Köln schon ihr gefühltes Finale hinter sich hatten, interessierte sich Krupp bereits für die B-WM. Am Montagmorgen hatte der Bundestrainer mit Manager Lee eine halbe Stunde über die Berliner Kandidaten für das am kommenden Montag beginnende Turnier im französischen Amiens gesprochen. Deutschland ist dort unter Druck, alles andere als der Aufstieg in die A-Gruppe wäre eine Blamage. „Ich habe Krupp gesagt, dass er sechs Spieler von uns nehmen soll“, erzählt Lee. Neben Busch, Hördler, Sven Felski, Rob Leask und Stefan Ustorf hatte Lee damit auch Gawlik gemeint. Er soll nun eine Chance im Nationalteam bekommen. Gawlik hat im vergangenen Jahr als Topscorer des Aufstiegsturniers die deutsche U 20-Auswahl unter dem damaligen Kotrainer Krupp in die A-Gruppe geführt.

Nun darf bei allem Jubel um das erfolgreiche Nachwuchsprojekt der Eisbären nicht vergessen werden, dass der Titel auch den Leistungen erfahrener Spieler zu verdanken ist. Die Verteidiger Micki Dupont, Deron Quint und Derrick Walser waren mit vielen Toren in den Play-offs tragende Säulen im Berliner Spiel. In der Offensive war neben dem zuverlässigsten Berliner, Kapitän Steve Walker, wieder Denis Pederson der Mann für gelungene Aktionen. Die guten Leistungen einiger gestandener Profis könnten für die Berliner auch einen unerfreulichen Nebeneffekt haben: Walser, Dupont und Pederson könnten laut Lee für die kommende Saison mit Klubs aus der National Hockey-League (NHL) über Verträge verhandeln. Sollten die drei Kanadier den Klub verlassen, würde das die Eisbären sehr schwächen. Zumal die Konkurrenz in der DEL aufrüstet: Die Mannheimer Adler, die nach der Finalteilnahme im Vorjahr diesmal die Play-offs verpassten, vermelden fast im Wochentakt einen prominenten Zugang. „So einfach wie diesmal wird uns die Titelverteidigung im kommenden Jahr nicht fallen“, sagt Berlins Stürmer Sven Felski. Auf Manager Lee wird also Arbeit zukommen, aber er hat ja zuletzt richtig gelegen mit seiner Geduld. Punktuell hat Lee das Team während dieser Saison verstärkt – mit guten Spielern wie Torwart Tomas Pöpperle, Verteidiger Deron Quint und dem jungen Stürmer Patrick Jarrett.

Geduld sollte den Eisbären bei der Personalpolitik auch vor der nächsten Saison nicht schaden. Gestern, einen Tag nach dem Gewinn der zweiten Meisterschaft, war Manager Lee ohnehin noch mit anderen Dingen beschäftigt. Denn nach der ersten Meisterfeier ist vor den nächsten Meisterfeiern. Einen Besuch im Roten Rathaus und beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit wird es am Sonnabend um 17 Uhr geben, eine Stunde später beginnt die Meisterfete im Sportforum.

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