Jungspund Nico Schulz : Herthas Frühaufsteher

Nico Schulz, mit 17 Jahren der Jüngste im Team des Berliner Zweitligisten, will auch im Montagabend-Spiel gegen Alemannia Aachen in Herthas Startelf stehen.

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Mittendrin, statt nur im Kader: Nico Schulz (Mitte) will sich bei Hertha gegen seinen Konkurrenten Nikita Rukavytsya durchsetzen.
Mittendrin, statt nur im Kader: Nico Schulz (Mitte) will sich bei Hertha gegen seinen Konkurrenten Nikita Rukavytsya durchsetzen.Foto: dpa

Man muss ihm schon ganz nah kommen, um zu erkennen, wie alt Nico Schulz wirklich ist. Dort, wo bei den meisten seiner Mitspieler ein flächiger Bartwuchs sprießt, sind bei Schulz noch die letzten Begleiterscheinungen der Pubertät erkennbar. Auf dem Fußballfeld ist aus dem Jungen Schulz dagegen längst ein Mann geworden.

Niemals zuvor bei Hertha BSC war ein Debütant jünger als Schulz. Am vergangenen Freitag gab er beim Zweitligaspiel gegen Energie Cottbus seine Startelfpremiere im Trikot von Hertha BSC – mit 17 Jahren und 180 Tagen. Nico Schulz kümmert sich wenig um solche Statistiken. Er will einfach nur spielen. Dass er in Cottbus lediglich von Beginn an auflief, weil Mannschaftskollege Nikita Rukavytsya tags zuvor eine Trainingseinheit verschlafen hatte, ist für Schulz nicht weiter von Bedeutung. Er freute sich einfach darüber, dass Herthas Trainer Markus Babbel ihm das Vertrauen schenkte. „Wenn man sieht, welche starke Spieler hier für uns auf dem Platz sind, und ich dann gleich von Beginn an spielen darf, macht mich das stolz“, sagt Schulz.

Seit diesem Sommer gehört er nun zum Profikader von Hertha BSC, und wenn man sich mit dem 17-Jährigen unterhält, merkt man ihm an, wie neu und aufregend diese Profiwelt für ihn noch ist. Und teilweise auch, wie gewöhnungsbedürftig. Interviews sind seine Sache noch nicht, der Nico Schulz abseits des Fußballplatzes ist schüchtern und zurückhaltend. Er hat mit dem Nico Schulz auf dem Feld wenig zu tun.

Besonders wohl fühlt der sich auf der rechten offensiven Seite. Seine Antrittsschnelligkeit, seine Ballbehandlung und seine Explosivität machen Schulz zu einem besonderen Talent. „Nico rechtfertigt in jedem Training, dass er fest zum Profikader gehört“, sagt Herthas Manager Michael Preetz.

Vor dem heutigen Spiel im Olympiastadion gegen Alemannia Aachen (20.15 Uhr, live bei Sport 1) stehen die Chancen für Schulz gut, erneut von Beginn an aufzulaufen. Nach der Partie in Cottbus sagte Trainer Babbel über Schulz: „Er hat seine Sache sehr, sehr gut gemacht.“ Man dürfe aber nicht vergessen, dass Schulz noch sehr jung sei.

Seit er zu den Profis gehört, hat für ihn ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Einer, auf den Schulz lange hingearbeitet hat und den er sich von Herzen gewünscht hat, auch wenn es nach wie vor nicht einfach ist, Profifußball und Abitur gleichzeitig zu bewerkstelligen. In der Schule, sagt Schulz, sei er zurzeit „nicht wirklich oft“. Lernen muss er am Abend nach den Trainingseinheiten. Vor zwei Jahren hatte Schulz zwei Angebote von anderen Vereinen. Nicht irgendwelchen: Manchester United und der FC Liverpool bemühten sich um den damaligen U-15-Nationalspieler. Schulz zog es vor, in Berlin zu bleiben.

Zwei Jahre später zählt er bei Hertha zum engen Kreis der ersten Mannschaft, dabei könnte Schulz noch zwei Jahre in der A-Jugend spielen. Trainer Markus Babbel ist von seinem Jüngsten allerdings so angetan, dass er auf ihn nicht mehr verzichten will. Bisher kam der Berliner, der vor zehn Jahren vom Weddinger Klub BSC Rehberge zur Hertha wechselte, in fünf von sechs Zweitligaspielen zum Einsatz. Nur in Düsseldorf ließ Babbel sein Talent auf der Bank.

Vor dem Spiel gegen Aachen muss sich Babbel einmal mehr zwischen Rukavytsya und Schulz entscheiden. „Beide haben gut trainiert“, sagt Herthas Coach. Niemand im Kader könne sich mal rausnehmen, was übrigens gut für den Kader sei. Babbel sagt unverblümt: „Bei mir bekommt keiner was geschenkt.“

Der australische Nationalspieler wird es nicht leicht haben, seinen Platz in Herthas Mittelfeld zurückzuerobern. Darauf, dass Nico Schulz mal ein Training verschläft, kann Rukavytsya jedenfalls nicht hoffen. „Ich stelle mir immer zwei Wecker“, erzählt Schulz.

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