Sport : Junior Jonas Lanier: Halb Capital - halb Eisbär

Claus Vetter

Chris Valentine oder Uli Egen - welcher Eishockey-Lehrer arbeitet akribischer, der von den Capitals oder der von den Eisbären? Jonas Lanier lacht. "Das kann und will ich nicht beurteilen", sagt der 18-Jährige. Dass dem Stürmer über die Berliner Konkurrenten in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nur Gutes über die Lippen kommt, überrascht nicht: Lanier spielt in dieser Saison für beide Klubs. Zum Sammeln von Erfahrung im Männerbereich schickten die Capitals ihren Nachwuchsakteur vor der Saison zum Oberligisten Eisbären Juniors. Lanier ist im Besitz einer Förderlizenz, bei Bedarf können ihn die Capitals in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einsetzen.

Dass die Verletztenliste an der Jafféstraße zuletzt lang war, war Laniers Glück. Bei den Capitals kam er immerhin schon auf 17 Einsätze. Und seit Chris Valentine in Charlottenburg hinter der Bande steht, sind die Aktien des gebürtigen Berliners gestiegen. Valentine hatte schon immer ein großes Interesse an vielversprechenden Talenten, der ehemalige Nachwuchstrainer der Düsseldorfer EG ist von Laniers Qualitäten überzeugt. "Der Jonas ist in seiner Altersklasse mit Abstand in Berlin von der Entwicklung her am weitesten", sagt Valentine, "der steigert sich von Tag zu Tag."

Auch Uli Egen, vor wenigen Wochen vom Juniors-Coach zum Trainer der EHC Eisbären-Profis befördert, hält viel von Lanier: "Für die Entwicklung von Jonas ist es allerdings wichtig, dass er spielt." Und ausreichende Praxis würde ein 18-Jähriger wohl eher bei den Eisbären Juniors als im Profiteam der Capitals bekommen, glaubt der EHC-Trainer. Mehr als Kurzeinsätze in der vierten Sturmreihe seien für Lanier in der DEL doch nicht drin.

Trotzdem - bei der Wahl seines liebsten Arbeitgebers kommt der angehende Abiturient Jonas Lanier nicht lange ins Grübeln: "Ich spiele lieber für die Capitals als für die Eisbären." Eine derartige Aussage wird die Eishockey-Fans in Charlottenburg naturgemäß mehr erfreuen als die aus Hohenschönhausen. Lanier selbst sieht in dem häufigen Trikotwechsel allerdings keine Brisanz. Viele Akteure der Juniors habe er schon vor seinem Engagement im Sportforum von der Junioren-Nationalmannschaft her gekannt, überzogene Rivalitäten - wie die zwischen den Anhängern beider Lager - gebe es bei den Spielern beider Klubs zum Glück nicht.

Vor dem heutigen, dritten Berliner Derby dieser Saison (Beginn um 19.30 Uhr, Eissporthalle Jafféstraße) ist noch unklar, ob Lanier spielen darf. Gestern haben die Berlin Capitals nämlich mit Petri Kujala einen neuen Stürmer verpflichtet. Der 30-jährige Finne mit deutschem Pass spielte zuletzt für Moskitos Essen, bereits heute wird Kujala mit Zerwesz und dem als Stürmer spielenden Verteidiger Johnston in einer Reihe auflaufen.

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