Sport : Juristisches Revanchefoul

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Fußballer sprechen gern davon, im Raum zu spielen oder zu verteidigen, einige Spieler kommen sogar aus dessen Tiefe. Was immer damit auch gemeint ist: Ein rechtsfreier Raum ist es nicht. Fußball zählt zwar wie andere Mannschaftssportarten juristisch zu den Kampfsportarten, das heißt, wer mitspielt, nimmt in Zweikämpfen ein gewisses Risiko in Kauf – aber nicht jedes. Wer beim Kicken im Park oder auf dem Ascheplatz eine Kopfnuss vom Gegenspieler erhält, kann ihn verklagen, das ist gut und richtig so. Profis tun dies nur sehr selten.

Matias Concha vom VfL Bochum geht diesen Schritt. Er fordert mindestens 15 000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld von Macchambes Younga-Mouhani vom 1. FC Union, weil der ihm im Dezember mit einem Foul das Schien- und Wadenbein gebrochen hatte. Dass Concha klagt, hat nun ein Gericht offiziell bestätigt. Damit bricht er eine Art Ehrenkodex unter Fußballern. Letztlich verklagte nicht einmal Michael Ballack Kevin-Prince Boateng für das Foul, das ihn die WM gekostet hatte. Droht dem Fußball nun eine Klagewelle?

Wohl kaum, denn solche Klagen ergeben im Profibereich meist wenig Sinn. Bei allen Situationen in Ballnähe ist es schwierig, Absicht oder grobe Fahrlässigkeit klar zu beweisen. Ohne Schuld kein Geld. Und wofür will ein Profi Schadensersatz? Entgangene Einsatz- und Punktprämien? Hätte er die sicher bekommen? Wer diesen Job ergreift, kennt die Risiken, die Versicherungen abfedern können. Die sollten ein Spieler oder sein Berater abschließen, statt zu klagen. Denn das ist häufig nur ein juristisches Revanchefoul.

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