Justin Rose : Ultimative Ballkontrolle

Während die Favoriten bei den US Open im Golf verzweifeln, gelingt Justin Rose der erste Major-Sieg.

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Den anderen eine Panne und mir die Kanne. Jason Rose schaut zu seiner ersten Major-Trophäe auf. Foto: AFP
Den anderen eine Panne und mir die Kanne. Jason Rose schaut zu seiner ersten Major-Trophäe auf. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - „Es war eine lange Reise“, sagte Justin Rose, als er am Sonntag seinen ersten Major-Pokal in den Händen hielt. „Das ist ein Traum, der 20, 30 Jahre zurückreicht, voller Hoffnung, voller Training, voller kaputter Hände.“ Hätte man am Sonntag bei der Siegerehrung der US Open in Merion nicht einen 32-jährigen jungen Mann vor Augen gehabt, man hätte angesichts seiner Rede glauben können, ein Spieler auf der Schlussgeraden seiner Karriere habe gerade noch in letzter Minute einen Titel errungen.

Tatsächlich scheint es eine halbe Ewigkeit her, seit Rose als 17 Jahre alter Amateur bei der British Open mit einem gelochten Chip auf der 18. Bahn den vierten Platz belegte und im Anschluss ins Profilager wechselte. Die so verheißungsvolle Laufbahn begann mit einem langanhaltenden Debakel: Bei 21 Turnieren in Folge verpasste der Youngster den Cut. Sein Vater und Betreuer starb 2002 an Leukämie. Aus dem Schnelldurchlauf unter die Top Ten der Weltrangliste wurde ein 15 Jahre dauernder zäher Kampf.

Aufgegeben hat Rose dabei nie. Die Turniere, die er gewann, wurden zunehmend größer. Beim Ryder Cup 2012 avancierte er mit seinem Einzelsieg gegen Phil Mickelson zu einem der entscheidenden Spieler für Europa. Wie schon im Medinah Country Club entschied er auch bei den US Open seinen Zweikampf gegen Mickelson, der als Führender in die Finalrunde gestartet war, mit einem Gesamtergebnis von 281 Schlägen (even Par). „Er hat sich einen Namen gemacht als einer jener Spieler, die den Ball mit am besten treffen. Das hat er heute erneut bewiesen“, gratulierte ihm sein Mitspieler Luke Donald. „Um die US Open zu gewinnen, muss man die ultimative Kontrolle über den Golfball haben. So wie er heute.“

Nicht allein Donald ging diese Kontrolle auf dem extrem schweren, wenn auch sehr kurzen Platz zeitweise völlig verloren. Der Brite verzog an Bahn drei seinen Drive und schoss eine Frau ab, die minutenlang am Boden lag. Einigermaßen schockiert spielte Donald drei Bogeys und ein Doppelbogey in Folge. Seinen Kollegen Jason Dufner, eigentlich auf Titelkurs, warf ein Tripblebogey an Bahn 15 zurück auf Rang vier. Dem Amerikaner gelang trotzdem noch eine 67er Runde, von der ein Tiger Woods oder Rory McIlroy weit, weit entfernt waren. Mit einem Ergebnis von 13 über Par und insgesamt 21 Löchern über Par im Verlauf von vier Runden kassierte Woods das schlechteste Ergebnis seiner Majorkarriere. McIlroy schließlich verbog an Bahn 11 vor Wut über einen Schlag ins Wasser einen seiner Schläger, verbuchte eine Acht und fand sich am Ende mit 14 über Par auf Rang 41 wieder. Im Verlauf des Finalsonntags jagte eine Katastrophe die andere und machte am Ende auch vor den zwei Deutschen Martin Kaymer und Marcel Siem nicht halt, die mit insgesamt 299 Schlägen und damit 18 über Par am Ende einträchtig auf dem geteilten 59. Platz landeten.

Selbst dem ansonsten zur Euphorie neigenden Amerikaner Phil Mickelson war am Ende der Spaß vergangen, nachdem er erneut den zweiten Platz bei einer US Open belegte. „Dieses Mal ist am schwersten zu ertragen“, kommentierte er das Ergebnis. „Wenn man mit 43 fünf mal so nah dran war, hätte ein Sieg meinen Blick auf dieses Turnier komplett verändert.“

Für Justin Rose dagegen passte der Sieg ins Bild: Ein harter Weg fand seinen vorläufigen Höhepunkt bei einem harten Turnier. Wenn er eines gelernt hat bei all‘ seinen Niederlagen, dann dies: „Ich muss den schweren Weg gehen und ich muss ihn alleine schaffen.“ Petra Himmel

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