Sport : Juventus Turin: Ein Rehmer als Muntermacher

Werner Raith

Die Frage führt sofort zu einer Abwehrhaltung bei Juventus Turin. Marko Rehmer, Fußballprofi von Hertha BSC, zum italienischen Rekordmeister? Jaja, dass der Mann in die Abwehr passen würde, hat Manager Luciano Moggi bereits so oft versichert, "dass es uns zum Halse heraushängt", so einer der Spieler nach der x-ten einschlägigen Pressemeldung, "aber das bedeutet nichts, die Vereinsleitung hat auch ein halbes Dutzend anderer Spieler im Visier." Auch der Ehrenpräsident von Juve, Umberto Agnelli, brummte noch nach Neujahr: "Wir haben derzeit wirklich andere Sorgen - und Rehmer stünde ja sowieso erst am Ende der Saison 2001/2002 zur Verfügung."

Rehmers Berater Jörg Neubauer hingegen weiß von "mehreren ernst zu nehmenden Angeboten" zu berichten. Neubauer sagt: "Wir werden uns dieser Tage hinsetzen und alles in Ruhe besprechen - mit Marko und mit Hertha BSC." Vor Juventus hatten schon Inter Mailand und der AC Florenz Interesse gezeigt. Nun ist die Frage, ob Rehmer diese Angebote nur dazu nutzt, um bei Hertha mehr Lohn fordern zu können. Dass ihm Italien nicht so ganz gleichgültig ist, dafür gibt es freilich auch ein Indiz: Angeblich lernt Rehmer seit einiger Zeit fleißig Italienisch.

Aber da sind ja Juves angesprochene Sorgen. Die Mannschaft wirkt saftlos, trotz des zweiten Platzes am Ende der Hinrunde. Der Stuhl von Trainer Carlo Ancelotti begann prompt zu wackeln. Das wirkt sich im vornehmen Turin und der Juve-Eigner-Familie Agnelli zwar nicht so massiv aus wie in anderen Klubs mit ihrer oft schnell handgreiflichen Tifoserie. Die Experten erkennen den Unmut der Juve-Führung eher an den vielen, auch ohne Aufforderung abgegebenen Solidaritätserklärungen von "ganz oben". So hat Agnelli erst diese Woche die Arbeit von Ancelotti "ganz positiv" gewertet. Doch wenn diesem bis zum Beginn der Rückrunde nichts anderes einfällt als sein derzeitiges Gesundbeten (Spitzenreiter AS Rom sei "durchaus noch erreichbar", die sechs Punkte Rückstand "jederzeit aufzuholen"), wird die Einschätzung der Agnellis wohl schnell revidiert.

Und so sehen viele Experten das Mauern in Sachen Rehmer-Informationen nicht nur als Manöver zum Zeitgewinn, für den Fall eines Trainerwechsels, der dann auch andere Spieler-Präferenzen zeitigen könnten: Möglicherweise ist alles nur Vernebelung, und Manager wie Trainer wollen die Nachricht vom Kauf des Herthaners just vor Beginn der Rückrunde kommenden Sonntag als Art Ermunterungsgeschenk an die Mannschaft präsentieren. Am gestrigen Abend meldeten jedenfalls bereits verschiedene Agenturen, man sei sich mit dem Berliner so gut wie einig - Trainerkrise hin oder her.

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