Sport : K. o. in der elften Runde

Lars Spannagel
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Gleich bleibt er stehen. Caio (links) kämpft um Anschluss – vergeblich. Foto: dpa

Caio, 22 Jahre alt, 86 Kilogramm Idealgewicht, Mittelfeldspieler bei Eintracht Frankfurt, wollte in der Bundesliga-Rückrunde allen zeigen, dass er zu Recht der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte ist. „Ich werde topfit und ohne Fettpolster zurückkommen“, hatte der Brasilianer geschworen, ehe er seinen Heimaturlaub antrat. Beim Trainingsauftakt musste Caio nun den Laktattest in der elften von insgesamt 13 Stadionrunden völlig entkräftet abbrechen – zum dritten Mal, seit er in Frankfurt unter Vertrag steht. Die Eintracht muss jetzt endlich ein Einsehen haben und aufhören, den armen Mann zu malträtieren. Caios Mitspieler Marco Russ machte einen ersten Schritt in die richtige Richtung, als er zugab: „Laufen ist einfach nicht jedermanns Sache.“

Wie wahr! Marko Pantelic kann keine Elfmeter, Michael Rensing kann keine Flanken fangen, Mike Hanke kann nicht dribbeln. David Odonkor kann nur laufen. Warum zwingt man Caio also zu etwas, was ihm von der Natur offensichtlich nicht gegeben wurde? Bereits im Sommer war er zweimal am Laktattest gescheitert: einmal direkt nach seinem Urlaub und mit sechs Kilogramm Übergepäck auf den Rippen, dann ein zweites Mal zwei Wochen später und laut Trainer Friedhelm Funkel mit „ganz kleinen Fortschritten“. Diesmal sollte alles anders werden, die Eintracht entließ Caio erst nach einer persönlichen Gefährderansprache in die Feiertage. Der Brasilianer kündigte an, mit seinem Jugendtrainer fünf bis sechs Tage pro Woche zu trainieren, „kein Gramm“ werde er zulegen. Die Hochzeit mit seiner Frau Bruna wolle er im heimischen Porto Alegre nur in kleinem Kreis feiern und dabei „zumindest einmal gut essen“.

Die Eintracht muss nun verstehen, dass man Fußballer individuell betreuen muss. Vielleicht bringt Caio ein guter Feijoada-Eintopf (Hauptzutaten: Fleisch, Bohnen, mehr Fleisch) einfach mehr als ein Laktattest.

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