Sport : Kälte am Rand des Rasens

Wie Kahn und Lehmann das Spiel erleben

Christian Hönicke

München - Es kommt selten vor, dass Torhüter darauf hinweisen müssen, dass sie nicht die einzigen Teilnehmer eines Fußballspiels sind. Sowohl Oliver Kahn als auch Jens Lehmann hatten aber klarstellen wollen, dass es sich bei dem Champions-League-Spiel keinesfalls um ein Duell zweier Torhüter handele, sondern immer noch um das zwischen Bayern und Arsenal. Der Münchner Stadionsprecher sieht das nicht ganz so und kann sich eine kleine Bemerkung nicht verkneifen: „Hier kommt die Nummer 1, nicht nur beim FC Bayern, sondern auch im deutschen Tor: Oliver Kahn!“

Wie sehr das Publikum im Olympiastadion diese Einschätzung teilt, wird deutlich, als sich die beiden Kontrahenten im Kampf um das Tor der Nationalelf 40 Minuten vor dem Spiel auf den Platz begeben. Kahn erhält als Begrüßung aufmunternden Beifall, Lehmann ein lautes Pfeifkonzert. Während des Warmmachens stehen kurzzeitig nur die beiden 35-Jährigen auf dem Rasen, jeder in seinem Tor. Lehmann erträgt den unfreundlichen Empfang scheinbar gelassen, schließlich kann er froh sein, dass er überhaupt das Tor von Arsenal hüten darf. Zehn Spiele lang hatte ihn sein Trainer Arsène Wenger auf der Bank sitzen lassen.

In der vierten Minute hält er den Ball auch zum ersten Mal sicher in seinen Händen – als er ihn aus dem Netz holt. Nach einem Abwehrfehler hat Lehmann gegen Pizarros Schuss keine Abwehrchance. Sein Gegenüber Kahn setzt zu einer seiner berühmten Jubelattacken an. Ist sein Schrei noch intensiver als sonst, oder wirkt es nur so?

Im Anschluss erhält auch der angereiste Bundestrainer Jürgen Klinsmann nur wenig Aufschluss darüber, wer denn jetzt der bessere Torhüter ist. Die erste Hälfte verbringen beide bei eisigen Temperaturen größtenteils mit Warmhalteübungen; wie Tiger schleichen sie vor ihren Käfigen auf und ab. In der 50. Minute kommt es dann doch noch zum direkten Duell der beiden Tormänner: Erst darf Kahn einen Schuss von Ljunberg halten, dann kontert Lehmann mit einer starken Parade gegen Roy Makaay. Kurz darauf missglückt Lehmann ein Abschlag, und die Bayern-Anhänger jubeln, als wäre das 2:0 gefallen. Als es kurz darauf tatsächlich durch Pizarro fällt, steht Lehmann eine halbe Ewigkeit an seinem Torpfosten, den Kopf gesenkt. Dabei trifft ihn keine Schuld.

Fünf Minuten später bietet sich das gleiche Bild, nur diesmal darf Jens Lehmann sich schuldig fühlen: Er hat eine Flanke von Frings unterlaufen und das 3:0 durch Salihamidzic mitverschuldet. „Ohne Lehmann hol’n wir die WM“, hallt es durch das Stadion. Oliver Kahn, der kurz vor dem Abpfiff auch einen Ball reinkriegt, singt nicht mit. Er weiß: Das Spiel Bayern gegen Arsenal ist kein Kampf der Torhüter. Trotzdem hat er an diesem Abend das bessere Ende für sich.

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