Sport : Kämpfen, nicht kränkeln

Dirk Nowitzki spielt schwach – trotzdem erreicht Dallas die nächste Runde

Matthias B. Krause[New York]

Die Reporterin lieferte die perfekte Vorlage für eine Entschuldigung. „Wie geht es Ihrem Schnupfen?“, fragte sie Dirk Nowitzki besorgt. Doch der Basketballer winkte ab: „Alles halb so schlimm.“ Stattdessen schwärmte der Spieler der Dallas Mavericks nach dem 116:76-Erfolg in Spiel sieben der ersten Play-off-Runde in der NBA gegen die Houston Rockets von der „unglaublichen Energie“ in der Halle und lobte seine Mitspieler. Dann wendete er sich vom Mikrofon ab – und hustete sich die Seele aus dem Leib. Bislang blieb Nowitzki in den Play-offs unter seinen Möglichkeiten. Doch zur Überraschung vieler kann Dallas in diesem Jahr auch gewinnen, wenn sein sonst so überragender Spieler einen schlechten Tag erwischt. Oder mehrere hintereinander.

„Die Jungs, hinter denen die größten Fragezeichen standen, hatten die besten Spiele“, lobte Klub-Besitzer Mark Cuban nach dem Einzug in Runde zwei, „das definiert dieses Team“. An niemandem lässt sich das besser festmachen als an Jason Terry. Sein Wechsel von Atlanta nach Dallas Anfang dieser Saison war von vielen skeptisch aufgenommen worden. Die Fans weinten dem alten Spielmacher Steve Nash nach. Die Medien porträtieren den Neuen als Luftikus mit einer beängstigenden Rate an Ballverlusten.

Doch nachdem Dallas die ersten beiden Spiele im texanischen Duell in eigener Arena verloren hatte, brachte Headcoach Avery Johnson seine kleinen Spieler zum Einsatz. Angeführt von Terry, rannten sie Kreise um die langen, unbeweglichen Spieler aus Houston. Deren Topscorer Tracy McGrady mochte ein überragendes Spiel nach dem nächsten haben und perfekt mit Center Yao Ming harmonieren. Die beiden allein waren zu wenig, um Dallas zu stoppen. Selbst mit einem Nowitzki, der den Korb nicht traf. Zudem hat der mittlerweile gelernt, dass man auch dann einen Unterschied ausmachen kann, wenn der Ball mal nicht durch den Ring fallen will. Im alles entscheidenden siebten Spiel holte er 14 Rebounds. Als Ein-Mann-Verteidigung unter dem Korb hielt er Ming und McGrady in Schach, so gut es eben ging, während die anderen die Aufbau- und Flügelspieler Houstons komplett aus dem Spiel nahmen. Und ganz am Ende, als alles schon entschieden war, fingen auch Nowitzkis Würfe an, durch den Ring zu fallen.

Ein gutes Omen für die nächste Runde? Gegen die Phoenix Suns wird Dallas zweifellos wieder jeden Punkt von ihm brauchen. Sein bester Freund Nash verwandelte das Team aus Arizona zu einem Überfallkommando, das mehr Punkte pro Spiel erzielt als jede andere Mannschaft in der NBA. Dafür wurde Nash gerade zum wertvollsten Spieler der regulären Saison gewählt. Die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte ist mit besonderen Erinnerungen behaftet, denn er nimmt es Cuban übel, dass der nicht einmal einen Versuch unternahm, dem Angebot der Suns etwas entgegenzusetzen. „Ich bin mit den Mavericks von ganz unten bis fast ganz nach oben gegangen. Jetzt wiederzukommen, wird eine große Herausforderung sein, aber auch ein Abschluss“, sagte Nash. Nowitzki ließ ihn via TV schon einmal wissen, womit er zu rechnen hat: „Ich kann es kaum erwarten, mit ihm die Ellbogen zu reiben“, sagte er, bevor er sich zum nächsten Hustenanfall zurückzog. Zeit zum Auskurieren bleibt ihm kaum, das erste Spiel in Runde zwei steht am Montag an.

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