Sport : Kämpfen statt rechnen

Füchse konzentrieren sich auf das letzte Saisonspiel

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Berlin - Von einer Rechnung mit Unbekannten hält Dagur Sigurdsson nichts. „Damit fangen wir gar nicht an, sondern konzentrieren uns ganz auf das Spiel in Gummersbach“, sagt der Trainer der Handballer der Füchse Berlin. Dass der Isländer gleich in seinem ersten Jahr mit dem Team im letzten Saisonspiel noch einen Platz im europäischen EHF-Cup erreichen kann, weiß er zwar, aber irgendwie scheint dieses Thema für ihn bisher realitätsfern gewesen zu sein. „Jetzt muss ich den Spielern nur vermitteln, dass am Samstag ein Erfolg beim VfL notwendig ist“, beschreibt Sigurdsson die Lage des Tabellenneunten nach dem 34:24-Sieg gegen den TSV Dormagen.

Platz acht würde einen Startplatz im Europacup bedeuten. Dass es im Vergleich mit dem punktgleichen und nur zwei Tore im Vorteil befindlichen TV Großwallstadt selbst bei einer knappen Niederlage noch klappen könnte, interessiert Sigurdsson nicht. „Wir sind doch ohnehin erst einmal darauf angewiesen, dass der TV sein Heimspiel gegen den THW Kiel verliert“, erklärt er. Gar nicht äußern möchte er sich zu der Chance, sogar noch den ebenfalls punktgleichen TBV Lemgo auf Rang sieben abfangen zu können. Bei Punkt- und Torgleichheit wären selbst Entscheidungsspiele möglich.

Wenigstens Bob Hanning, der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten, gibt zu: „Pläne für den Europacup gibt es natürlich bei uns.“ Die Vertragsverlängerung mit Linksaußen Ivan Nincevic, den er noch bis zuletzt partout nicht behalten wollte, ziele bereits in diese Richtung. Mehr Konkretes will Hanning zu diesem Zeitpunkt nicht preisgeben, sagt dann aber doch: „Finanziell wäre der Europacup für uns nicht verlustreich, wobei frühestens ab dem Viertelfinale auch Geld verdient werden könnte.“ Der Geschäftsführer verweist auf die riesige Zuschauerresonanz bei den Füchse-Heimspielen, darauf, dass „der Europacup in den meisten Sponsorenverträgen überhaupt noch keine Rolle spielt“, und auf das Thema Fernsehen. „Aber damit habe ich mich nun wirklich noch nicht beschäftigt“, sagt Hanning. Der EHF-Pokal käme für ihn früher als geplant: Er würde sich eine Teilnahme für die kommende Saison natürlich wünschen, aber erst für die danach sähe er sie als Pflicht.

Wie es zugeht im Europacup, davon kann Füchse-Kapitän Torsten Laen am besten erzählen. Der Däne gewann mit dem spanischen Topklub Ciudad Real nicht nur zweimal die Champions League, er hatte auch zuvor in seiner Heimat „seit dem Erwachsenenalter jedes Jahr international gespielt“. Das sei etwas ganz Spezielles: andere Länder, neue Hallen, verschiedene Spielsysteme und eine besondere Art von Druck. Für Laen war das Spiel gegen Dormagen schon „ein wenig, wie es im Europacup kommen könnte. Wir wussten, dass wir jedes Tor brauchen, und die Fans halfen uns super“. Dann spricht er auch noch davon, welchen Respekt sich die Berliner Handballer nach nur fünf Jahren des Aufbruchs verdienen würden. „Deshalb wollen wir in Gummersbach gewinnen“, sagt Torsten Laen und ergänzt: „Andernfalls kann der Traum auch schnell wieder vorbei sein.“ Nicht rechnen, sondern kämpfen, laute die Devise der Füchse.

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