Sport : Kämpfen wie ein Zweiter

Mathias Klappenbach

würdigt Jan Ullrichs Leistung bei der Tour Armstrong endlich schlagen, Armstrong wenigstens angreifen, den Rückstand auf Armstrong überschaubar halten: Die Hoffnungen in das, was Jan Ullrich leisten kann, haben wieder einmal ihre üblichen Metamorphosen durchlaufen und sich der Realität angeglichen. Nach zwei Wochen der Tour de France ist klar, dass nur ein Unfall Armstrongs oder eine Sensation verhindern können, dass der deutsche Radliebling es auch im letzten Versuch nicht schafft, den Amerikaner zu besiegen. Und wieder interessieren sich wesentlich weniger Menschen als vor vierzehn Tagen für Ullrich. Hat der Verlierer etwa heute schon wieder nicht angegriffen? Ob er jetzt Vierter oder Zweiter wird, interessiert die wenigsten.

Vor jeder Tour gibt es die große Hoffnung auf den so lange ersehnten und deshalb so befreienden Sieg. Geschürt von Ullrich, der sich den Triumph öffentlich zutraut. Aus sportlich taktischen Erwägungen, aus Marketinggründen, und weil es sowieso alle so wollen. Und weil Ullrich die Stilisierung zum großen Duell mitmacht, braucht er jedes Jahr, quasi als letzte Metamorphose der Hoffnung, irgendeine eine Erklärung dafür, dass ein oder auch zwei andere einfach besser waren als er.

In diesem Jahr ist Ullrich zweimal gestürzt, einmal schwer. Dieses große Handicap wird in der kollektiven Erinnerung aber neben der Erkältung aus dem Vorjahr stehen. Ullrich fährt trotz aller Probleme bislang eine sehr gute Tour de France und demonstriert dabei auch den Kampfgeist, der ihm angeblich abgeht. Doch am Ende aller Metamorphosen wird das Ergebnis wieder an der großen Hoffnung vom Anfang gemessen.

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