Sport : Kämpfer gegen den Krebs

Eishockey-Nationaltorwart Robert Müller soll heute erstmals wieder spielen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Was Robert Müller gedacht hat, als die Ärzte im November des vergangenen Jahres einen bösartigen Tumor in seinem Gehirn feststellten? „Dass ich Ende Februar wieder Eishockey spielen will“, sagt er. Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga beim Tabellenführer Adler Mannheim und auch in der deutschen Nationalmannschaft. Es ist das ehrgeizigste Karriereziel, das sich der 26 Jahre alte Torwart bis dahin gestellt hat.

November 2006: Beim Deutschland-Cup in Hannover befallen den 112-maligen Nationalspieler Schwindelanfälle. Er muss vorzeitig abreisen. In der Universitätsklinik Heidelberg stellen die Ärzte einen Hirntumor fest. Müller muss operiert werden, im Anschluss warten eine Chemo- und Strahlentherapie auf ihn. Die kämpft nicht nur gegen den Krebs, sie schwächt auch seinen Körper.

Doch Müller hat sein Ziel trotzdem erreicht. Er steht heute im Kader für das Testspiel gegen Slowenien in Ingolstadt. Von Anfang an wird Müller zwar nicht zum Einsatz kommen, „aber vielleicht werfen wir ihn für ein Drittel aufs Eis“, sagt Uwe Krupp, der Bundestrainer. In einem Show- Spiel am Samstag hatte Müller erstmals wieder auf dem Eis gestanden. Aber er will mehr als das. „Ich habe das Eishockeyspielen schließlich nicht verlernt“, sagt er.

Schon ein kurzer Einsatz heute wäre ein großer Sieg für ihn. „Bis vor zwei Wochen musste ich morgens um sechs Uhr aufstehen und Tabletten nehmen. Und fünfmal in der Woche wurde ich bestrahlt“, erzählt Müller. Ausgemacht habe ihm das alles nichts. „Das einzig Negative war, dass mir die Haare ausgegangen sind.“ Da habe er sich eben eine Mütze aufgesetzt – und unter der Torwartmaske auf dem Eis wären Haare ohnehin nicht zu sehen. Müller erzählt diese Geschichte in einem Tonfall, in dem andere Leistungssportler von einer Leistenzerrung sprechen, die in der nächsten Woche ausgeheilt sein wird.

Ob sich die Krebszellen bei ihm allerdings gänzlich zurückgebildet haben, werden die Ärzte am 14. Februar untersuchen. „Diese Untersuchung ist nicht von Pappe“, sagt Matthias Fries, der Sprecher der Adler Mannheim. Der Verein will erst danach entscheiden, ob Müller wieder in Ligaspielen eingesetzt wird. Der Torwart sieht der Untersuchung gelassen entgegen: „Ich fühle mich gut.“ Aber auch der Bundestrainer will die Untersuchung abwarten, bevor er Müller länger aufs Eis schickt. „Eigentlich war seine Nominierung eher als gute Geste gemeint“, sagt Krupp. „Aber weil ich gesehen habe, wie fit er schon wieder ist, ist ein Drittel gegen Slowenien durchaus möglich. Robert Müller ist einfach unglaublich ehrgeizig – das zeichnet ihn aus.“

Müller brennt auf einen Einsatz. Das Risiko schätzt er als gering ein. „Wenn mir nicht gerade drei Spieler auf dem Kopf rumspringen, dann ist das kein Problem“, sagt er. Die Ärzte hätten auch nichts gegen einen Einsatz. Karl Einhäupl, Neurologe an der Charité Berlin, sagt: „Generell besteht bei vielen Hirntumoren keinerlei Einschränkung von beruflichen oder sportlichen Tätigkeiten. Hirntumore, durch die mechanische Einwirkungen beeinträchtigt werden, sind in der Regel weit fortgeschrittene Tumore, die dann aber bereits die Fähigkeiten im Alltag erheblich einschränken.“

Unabhängig von den Ergebnissen der Untersuchung in einer Woche wird ein Comeback Müllers bei seinem Verein Adler Mannheim jedoch nicht einfach. Der Klub hat als Ersatz den US-Amerikaner Jean-Marc Pelletier verpflichtet. „Es kommt natürlich erst einmal darauf an, was die Ärzte sagen. Danach ist es eine Frage der Leistung, wer spielt“, sagt Trainer Greg Poss.

In der Nationalmannschaft wird sich Müller auch erst wieder empfehlen müssen. Zum Vierländerturnier am kommenden Wochenende in Basel wird Bundestrainer Krupp den Torwart noch nicht mitnehmen. Das sei noch zu früh. „Aber zur Weltmeisterschaft in Russland will ich wieder dabei sein“, sagt Müller. Das Ende April beginnende Turnier wäre die neunte WM für den Torwart.

Heute in Ingolstadt wird Eisbären-Torwart Youri Ziffzer vor Müller im Tor stehen. Es ist das Debüt des 20-Jährigen. Ziffzer hätte trotzdem nichts dagegen, ein paar Minuten von seiner Spielzeit an Müller abzugeben. „So ein Comeback verdient Respekt“, sagt Ziffzer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben