Sport : Kämpfer im Cockpit

Jarno Trulli will die Formel 1 weiter überraschen

Karin Sturm

Nürburgring - Auf seinem Weg zum Nürburgring machte Rennfahrer Jarno Trulli einen Umweg: In Gelsenkirchen sah er sich das Champions-League-Finale an. Trulli, nach seinem ersten Sieg im Rennwagen in Monte Carlo der neue Star der Formel 1, spielt gern Fußball. Oft auch mit seinem Konkurrenten Michael Schumacher. „Er ist ein netter Kerl und ein Kämpfer“, sagt Schumacher über Trulli. „Er hat den Sieg verdient."

Beim Rennen am kommenden Wochenende will sich der Italiener mit Lob allerdings nicht zufrieden geben. Erst recht nicht auf dem Nürburgring, auf dem er Mitte der Neunzigerjahre in der deutschen Formel-3-Meisterschaft fuhr – und den Titel gewann. „Ich habe mich in Deutschland immer wohl gefühlt", sagt Trulli. In der Eifel will Trulli seine sensationelle Leistung vom Wochenende wiederholen, doch er weiß um die Schwierigkeiten: „Die Strecke und die Anforderungen sind inzwischen komplett anders.“

Auf die Favoritenrolle warten musste Trulli lange – auch im eigenen Team, bei Renault. Dort galt der junge Spanier Fernando Alonso als kommender Weltmeister. Doch an seiner Seite, vielleicht auch durch dessen Herausforderung, ist Jarno Trulli gewachsen. Der 29 Jahre junge Italiener, der seinen finnischen Vornamen dem 1973 in Monza tödlich verunglückten Motorrad-Star Jarno Saarinen verdankt, den sein Vater Enzo bewunderte, galt lange als schnell, aber unkonstant. „Über eine Qualifying-Runde ist Jarno vielleicht der Schnellste überhaupt im Feld“, glaubt Mike Gascoyne, von 2001 bis 2003 technischer Direktor bei Renault, heute bei Toyota. „Nur hat er früher oft seine Chancen durch dumme Fehler im Rennen weggeworfen.“

Die ungestüme Rennleidenschaft erwachte in Trulli im Alter von vier Jahren. Da nahm ihn seine Mutter zu einer Ausstellung mit, auf der der Brabham von Niki Lauda zu sehen war. Von da an wollte Trulli Formel-1-Fahrer werden. Lauda war sein erstes Idol, „dann Prost und dann vor allem Ayrton Senna“. Im Kart war er zweimal Weltmeister, 1996 dann deutscher Formel-3-Meister, 1997 kam er mit Minardi in die Formel 1. Wie sein Vorbild Senna achtet Trulli auf seine Fitness. 2001 lief er beim New York Marathon mit. In diesem Jahr lief er kurz vor dem Rennen in Imola einen Halbmarathon in Florenz, „ganz locker“, aber immerhin in 1:35 Stunden. Trulli sagt: „Beim nächsten Lauf will ich unter 1:30 bleiben.“ Und beim Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring? „Ich bin mir sicher, dass ich es schaffen kann, ganz an die Spitze zu kommen, wenn ich nur hart genug kämpfe.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar