Sport : Kämpfer voller Rätsel

Wie der Amerikaner in Frankreich überraschte

Hartmut Scherzer

Berlin - Die Pressekonferenz vor der letzten Etappe der Tour de France nach Paris: Floyd Landis, 30, soll Fragen zum Doping beantworten. Der spröde Amerikaner mit dem dünnen Bart reagiert barsch: „Dazu habe ich nichts zu sagen. Seit dem Start sage ich das Gleiche: Man soll aufhören mit diesen Fragen. Sonst noch was?“ Wollen Sie ein Signal setzen für den Kampf gegen Doping? Antwort Landis: „Unser Sport bekämpft das Doping sehr stark. Aus diesem Grund hat der Radsport auch diesen Ruf.“ So einfach war die Welt für Floyd Landis.

Floyd Landis wurde zum Tour-Helden. Er sollte die Lücke füllen, die der Dauersieger Lance Armstrong hinterlassen hatte. Zwischen den Etappen hatte er eingestanden, dass er mit einer kaputten Hüfte auf dem Rad sitze und nachts vor Schmerzen oft nicht schlafen könne. Seit einem Trainingsunfall mit einem Auto im Oktober 2002 und einer Operation im Januar 2003 quälte sich Floyd Landis auf dem Rad. „Ginge es nicht um meine Karriere, hätte ich mir vor zwei Jahren eine künstliche Hüfte einsetzen lassen“, sagte Landis. Die Operation will er nun in zwei Monaten nachholen. „Ich wäre enttäuscht, wenn ich nicht mehr zurückkommen könnte. Ich werde kämpfen und zurückkommen, vielleicht nächstes, vielleicht übernächstes Jahr.“ Wenn auch die B-Probe positiv sein sollte, wird es dazu nicht mehr kommen. Als wäre das Hüftleiden nicht Dramenstoff genug, hielt der Kapitän des Schweizer Phonak-Teams die Tour mit seinen Alpen-Abenteuern in Atem. „Eine Demütigung“ nannte Landis seinen Einbruch beim Anstieg nach La Toussuire. „Es ist das schlimmste Gefühl meines Lebens. So eine Niederlage hatte ich mir nicht vorstellen können.“ Am nächsten Tag kam er triumphal zurück. Mit verbotenen Mitteln?

Vor der Enthüllung am Donnerstag wurde Landis’ scheinbar unbeugsamer Siegeswille zwei Vätern zugeschrieben: seinem leiblichen und Lance Armstrong, dem er bei dessen Siegen 2002, 2003 und 2004 als Helfer gedient hatte. „Mein Vater hat mir beigebracht, hart zu arbeiten und Geduld zu haben“, sagte Landis. Er wurde mit fünf Geschwistern in einer strengreligiösen Familie im kleinen Ort Lancaster in Pennsylvania erzogen – in einer Insel der Mennoniten, einer Glaubensgemeinschaft, die jedem Fortschritt wie Automobil und Fernsehen abschwört. Lance Armstrong erzog seinen Nachfolger Floyd Landis ebenfalls zur Härte. Doch auch die Dopinggerüchte um den Dauersieger Armstrong sind nie verstummt.

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