„Käse, Guru, Weizenbier“ : Vor zehn Jahren: Der Wutausbruch von Rudi Völler

Rudi Völler war wütend: Der damalige Teamchef rechnete in einer Form mit seinen Kritikern ab, die es wohl so zehn Jahre später nicht geben würde. Seine elfminütige Käse-Guru-Mist-Rede zeigt deutlich die Entwicklungen im deutschen Fußball auf.

„Ich gebe zu, dass die Wortwahl etwas derb war“, sagte Rudi Völler (rechts) später.
„Ich gebe zu, dass die Wortwahl etwas derb war“, sagte Rudi Völler (rechts) später.Foto: dpa

Waldemar Hartmann erinnert sich an die legendäre Käse-Guru-Mist-Rede von Rudi Völler noch so, „als ob es gestern gewesen wäre“. Dabei ist es am Freitag, wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation auf Österreich trifft, genau zehn Jahre her. Damals war Völler nach einem 0:0 der DFB-Elf in Island förmlich explodiert: „Ich kann diesen Käse nicht mehr hören nach jedem Spiel, in dem wir kein Tor geschossen haben, dann ist noch ein tieferer Tiefpunkt erreicht. Das ist das Allerletzte“, schimpfte der Teamchef im ARD-Interview mit Hartmann.

Normalerweise habe ein Bundestrainer direkt nach dem Spiel immer eine Cooldown-Phase, sagt Hartmann heute zu den Gründen für Völlers Wutrede. „Aber das war ja eher eine Bezirkssportanlage in Reykjavik. Er kam drei Treppchen hoch und drei Treppchen runter direkt ins Studio. Und er konnte erstmals hören, war Günter Netzer und Gerhard Delling zum Spiel gesagt haben“, schildert der damalige Fragesteller die Situation.

„Ich konnte zusehen, wie der Hals von Rudi Völler wuchs“

Das Team um Torwart Oliver Kahn, Miroslav Klose und Michael Ballack, der vor dem Anpfiff gegen Österreich vom DFB offiziell verabschiedet wird, hatte sich vor 7000 Zuschauern blamiert. „Sie haben es zurecht sehr kritisch beleuchtet. Und da konnte ich zusehen, wie der Hals von Rudi Völler wuchs“, erzählt Hartmann. „Ich gebe zu, dass die Wortwahl etwas derb war“, sagte Völler später.

Sportliche Wortakrobaten im Einsatz
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Was zehn Jahre danach angesichts der Generation um Özil, Khedira, Müller, Reus oder Götze kaum mehr vorstellbar ist: In Pflichtspielen musste Deutschland damals gegen kleinere Gegner wie Island fast immer zittern. „Das ist sicher ein Tick zu wenig für unsere Ansprüche, wir sind Vizeweltmeister. Da muss ein bisschen mehr kommen. Aber der Scheiß, der da immer gelabert wird. Da sollten sich alle wirklich mal Gedanken machen, ob wir in der Zukunft so weiter machen können“, wütete Völler in Island.

Auch Franz Beckenbauer, Paul Breitner und Netzer bekamen von Völler kräftig eingeschenkt: „Alle Gurus, diese Ex-Gurus, die irgendwann mal Fußball gespielt haben.“ Und danach: „Ich sitze jetzt seit drei Jahren hier und muss mir den Schwachsinn immer anhören.“ Heutzutage hält Hartmann ein solches Interview für undenkbar.

„Alles ist gleichgebügelt“, meint der Fernsehmann: „Wenn ich die Aussagen höre, wir waren nicht nahe genug am Mann, wir haben die Räume nicht eng gemacht, wir konnten heute unsere Leistung nicht hundertprozentig abrufen - da frage ich mich, wieso hören wir die Interviews eigentlich noch an. Das ist etwas zum Weghören. Die Typen sind weniger geworden.“ Völler schonte damals auch Hartmann nicht: „Du sitzt hier locker auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und bist schön locker.“ Der damalige Teamchef stemmte sich gegen öffentliche Ansprüche: „Es kann doch keiner verlangen, dass wir hier herfahren und die Isländer 5:0 weghauen.“ Irgendwie dürfte das dann Bundestrainer Joachim Löw doch bekannt vorkommen. (dpa)

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