Sport : Käse, made in Germany

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Norbert Thomma über linguale Irrwege des DFBPräsidenten

Hat Rudi Völler neulich in hoher Erregung „Scheiß“ gesagt oder „shit“? Er hat „Scheiß“ gesagt. Dieser Umstand möchte bitte fürs Protokoll festgehalten werden. Danke schön.

Denn erst einmal geht es um Gerhard Mayer-Vorfelder, kurz: MV (gesprochen: Em-fao). MV ist ein Stockkonservativer, oder wie wir Fußballer sagen: a stickconservative. Als er noch für die CDU Politik machte, hatte er Ideen – aber hallo! Die Lehrer durften keine Turnschuhe in der Schule tragen, von wegen Moral und so. Heute ist MV Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der deutsche Fußball besteht vor allem aus „deutschen Tugenden“ (Franz Beckenbauer u. a.). Wenn diese mal wieder nicht ausreichen, dann heißt es, „wir Deutschen werden nie Brasilianer“ (Der Kaiser u. a.). So deutsch ist der deutsche Fußball, dass er 1954 sinnstiftend über das Land kam und Sönke Wortmann jüngst einen Film darüber machte.

Zwischen all dem Deutschtum hat MV den Faden verloren. Dafür wurde er vom „Verein Deutsche Sprache“ gerügt. Der DFB nämlich hatte in seiner „Fan-Corner“ ein „Home Shirt“ angeboten und ein „Mesh Bucket“ und einen „Kiddy Jogger“. Dieses linguale Fehlverhalten brachte MV den Titel „Sprachpanscher des Jahres“. Und gleich konnte MV wieder zeigen, dass er kein Zauderer ist, sondern ein Handler: Die Waren heißen inzwischen schlicht „Netzhut“ und „Polyester-Kinderanzug EM 2004“. Immer häufiger kommt es nun in deutschen Familien zu Dialogen wie: „Daddy, krieg ich einen Kiddy Jogger?“ – „Ja Sven, morgen bestellen wir dir einen total coolen Polyester-Kinderanzug beim DFB.“

Doch so ganz aufgeräumt hat MV noch nicht. Über die Heimatseite (homepage) des DFB kann man sich mit „Fan-Basics“ versorgen, kleinen „Give-aways“ und den Produkten der „Classic-Line“. Herr MV, huhuuu! Oh, Verzeihung, der Herr Präsident ist schon auf dem Weg mit dem Wörterbuch Englisch- Deutsch, um höchstselbst… Er könnte, wenn er dann gerade so dabei ist, in seiner Partei weitermachen. Weil die CDU in ihrem „E-Shop“ beispielsweise einen „Untangler“ verkauft, also einen Telefonschnurentwirrer; und weil das Klima in Deutschland immer rauer wird, gibt’s auch einen „Windbreaker“, einen… ähm: dunkel-blauen Friesennerz, hätte man früher gesagt.

Derweil verlangt Rudi Völler von seiner Mannschaft, sie solle keinen „Käse“ spielen. Völler sagt Käse, nicht „cheese“.

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