Sport : Kätzchen oder Pitbull

Englands Presse reibt sich an Milans Gattuso

Vincenzo Delle Donne[Mailand]
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AC Milan midfielder Gennaro Gattuso (C) celebrates 02 May 2007 with teammates -- forward Filippo Inzaghi (R) and Australian...AFP

Er hat einen Sinn für skurrile, derbe Inszenierungen. Nach dem gewonnenen WM- Finale mit Italien gegen Frankreich verschenkte er seine kurze Hose und verkleidete sich mit der italienischen Nationalflagge. Trainer Lippi rempelte er an und sagte sinngemäß, er würde ihn umbringen, wenn er, wie angekündigt, das Traineramt niederlege. Gennaro Gattuso, defensiver Mittelfeldspieler vom AC Mailand, ist ein idealer Werbeträger für eine Mobiltelefongesellschaft und kokettiert mit seiner schlechten englischen Aussprache, obwohl er doch auch mal zwei Jahre bei den Glasgow Rangers gespielt hat. Seine Derbheit, die sich auch in seiner Sprache widerspiegelt, ist mittlerweile ein Markenzeichen von ihm, das ihm viele Sympathien bringt.

Auch bei seinen Gegenspielern hinterlässt Gattuso offenbar bleibende Erinnerungen. Beispiel Steven Gerrard. Der Kapitän des FC Liverpool schrieb in seiner Autobiografie, er habe sich beim Champions-League-Finale 2005 gegen Milan nie sonderlich um Gattuso gekümmert. Weder vor noch während noch nach dem Spiel. „Er scheint aggressiv zu sein, doch er jagt mir so viel Angst ein wie ein Kätzchen“, schrieb Gerrard. Und an anderer Stelle in seinem Buch heißt es: „Ich schwöre, dass es mir nichts ausmachen würde, jede Woche gegen Gattuso zu spielen.“ Schließlich habe Gattuso noch keinen entscheidenden Spielzug gemacht. Diese und andere Sätze haben englische Boulevardblätter vor dem heutigen Champions-League-Finale hervorgekramt, um die Stimmung ein bisschen anzuheizen.

Nach außen hin bemüht sich der 29-jährige, aus Kalabrien stammende Gattuso die Wogen zu glätten. „Ich weiß nicht, ob er diese Worte tatsächlich gesagt hat“, sagte er, um dann hinzuzufügen: „Aber wenn, dann fühle ich mich nicht wie ein Kätzchen, sondern eher wie ein Pitbull.“ Wenn man ihn kennt, weiß man, dass er wie ein Vulkan brodelt.

Mit 12 verließ Gattuso sein Heimatdorf Corigliano Calabro, um im Norden eine Fußballkarriere zu starten. Beim AC Bologna fiel er beim Probetraining durch. Stattdessen wurde er ins Fußballinternat des AC Perugia aufgenommen. Mit 17 debütierte er in der Serie A – gegen den AC Bologna. Im Jahr darauf wechselte er überraschend zu den Glasgow Rangers. Die Offerte sah damals eine Jahresgage von umgerechnet 250 000 Euro vor. Nach zwei Jahren kehrte Gattuso wieder in die Heimat zurück: zunächst zum Zweitligisten Salernitana, dann zum AC Mailand.

Dass er den englischen Fußball nicht möge und als veraltet ansehe, kolportierten englische Gazetten. „Das sind Sätze, die ich nie gesagt habe“, stellt Gattuso jetzt richtig. Dass er die Engländer heute Abend leiden sehen will, würde er allerdings nie bestreiten.

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