Sport : Kahn für Lehmann

Stefan Hermanns

über das Ende des Bundestorwartstreits Als er noch Torwarttrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war, hat sich Sepp Maier durch eine gewisse Generosität ausgezeichnet. Maier konnte sich das leisten. In seiner Karriere hat er alles gewonnen, was man gewinnen kann, er war einer der besten Torhüter seiner Zeit und wahrscheinlich der beste, den der deutsche Fußball je hervorgebracht hat. Sepp Maier aber hat immer wieder gesagt: Oliver Kahn ist noch besser als ich.

Man muss diese Aussage wie so vieles bei Maier nicht richtig ernst nehmen. Kahn hat im Spiel seines Lebens, dem WM-Finale 2002, gepatzt, Maier im Spiel seines Lebens, dem WM-Finale 74, das Spiel seines Lebens gemacht. 2002 verloren die Deutschen – dank Kahn. 1974 gewannen sie – dank Maier. Das unterscheidet einen exzellenten Torhüter eben von einem sehr guten: dass er im entscheidenden Moment seine beste Leistung zeigt.

Bei Kahn ist das schon lange nicht mehr so. Im Gegenteil: Zuletzt hat er in den entscheidenden Spielen die entscheidenden Fehler gemacht. Im WM-Finale gegen Brasilien. Im DFB-Pokal gegen Aachen. In der Champions League gegen Real. In der Bundesliga gegen Werder. Und jetzt wieder im Europacup gegen Turin. Deshalb ist Deutschland nicht Weltmeister geworden, Bayern weder DFB-Pokal- noch Champions-League-Sieger, auch nicht Deutscher Meister, und deshalb scheitern die Bayern in der Champions League diesmal vielleicht schon in der Vorrunde. Das ist bedauerlich für Kahn, der schon zu Lebzeiten seiner Denkmalwerdung beiwohnen durfte. Während der WM wird er seinen 37. Geburtstag feiern. Viele glauben, dass all das gegen seine Weiterbeschäftigung in der Nationalelf spricht. Dabei hat Kahn mit seinem Fehler gegen Turin nur mit Nachdruck seinen Vorschlag zur Lösung des Bundestorwartstreites promotet: Bis zum Halbfinale muss er im Tor stehen, im Endspiel dann Jens Lehmann.

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