Sport : Kaiserslautern: Die Marke FCK

Oliver Trust

In den Gassen rund um den Betzenberg grölten die letzten Anhänger bierselig Loblieder auf die Helden des Tabellenführers. Ein paar redeten wieder von der Meisterschaft, weil Kaiserslautern auch beim Titelgewinn 1998 die ersten fünf Spiele in der Fußball-Bundesliga gewann. Für manchen war es tatsächlich wie in alten Zeiten, vielleicht auch, weil Beate Rehhagel, die Frau des Meistertrainers Otto Rehhagel einen Tag vor dem Umzug nach Griechenland im Vip-Raum am Champagner nippte und wie früher den stützenden Arm vom ehemaligen Präsidenten Hubert Keßler suchte. Ein Stockwerk weiter unten in den Kabinengängen aber diskutierten die Gipfelstürmer eine ganz andere Frage. Wie schlecht darf so ein Tabellenführer denn nun eigentlich spielen? Dass Klubchef Jürgen Friedrich die 15 Punkte nun als Faustpfand gegen den Abstieg sieht, fand Mario Basler ziemlich übertrieben. "Aber, dass wir eine Rolle im Kampf um die Meisterschaft spielen, ist auch ein Witz. Das machen Bayern und Dortmund unter sich aus." Große Töne wollte Basler diesmal nicht von sich geben: "Für mich war es eine Erlösung, dass ich raus durfte, ich war platt".

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Es war der Abend der Geständnisse und treffenden Einschätzungen. "Von uns", so Basler, "muss wirklich keiner sprechen. Noch 25 gegen den Abstieg, noch 35 für einen internationalen Wettbewerb". In Kaiserslautern sind sie vorsichtig geworden, seit die Mannschaft im April nach einer Flut von Niederlagen plötzlich in Abstiegsgefahr geriet. Seit dem wird wieder der Ruf des Vereins gepflegt, der allein gegen alle antritt. Der einzige Mann, der ein paar Mal Fußball internationaler Klasse feilbot, nämlich Youri Djorkaeff, soll verkauft werden. "Wir haben jetzt 15 Punkte ohne Djorkaeff geholt", sagte Basler und zog die Brauen hoch. Die neue, alte Rolle, so scheint es, funktioniert prächtig. Sie biegen wieder die Spiele um, was "für die Zuschauer toll ist, für einen Trainer grausam", stellte Andreas Brehme fest.

Die 37 000 Zuschauer feierten unverdrossen. Wer den Gegner knapp 70 Minuten als besser erkennt und dann eine solche Aufholjagd erlebt, der verzeiht all die Fehlpässe, die Abwehrschnitzer und die Einfallslosigkeit, die zuvor zu sehen sind. "Die Mannschaft hat eine tolle Moral gezeigt, aber erst spät", sagte Brehme. Vorher, so befand er, "waren wir zu lässig und überheblich". Die Bremer führten sie manchmal sogar vor. "Wer da oben bleiben will, der muss sich steigern. Was wir zeigen, ist zu wenig, um auf Dauer da oben zu bleiben", sagte Brehme. Dann hat er ein paar mal vom internationalen Wettbewerb gesprochen und "nicht von der Meisterschaft".

Sie wollen wieder normale Pfälzer Fußballspieler sein, ein normaler Pfälzer Verein, ohne Goldrand, aber selbstbewusst und bodenständig. Wer passt dazu besser als Miroslav Klose, der Bub aus Kusel, der endlich wieder getroffen hat und wieder den Salto machte. Der stand nach seinem Tor und hauchte: "Isch glaub widda an misch". Er beschrieb die "Gesprächstherapie", die Brehme ("Wir haben Einzeltraining mit ihm gemacht") und Bundestrainer Rudi Völler mit ihm veranstalteten. "Ich konnte doch meine Stärken nicht plötzlich alle verloren haben", sagte der 23-Jährige schüchtern und leise. "Ich hab sehr viel einstecken müssen", stellte er fest. "Aber jetzt, jetzt mache ich wieder die einfachen Dinge, das klappt", erzählte der Nationalspieler. "Ich treffe jetzt wieder die Kiste, auch im Training".

Dass er, wie die ganze Mannschaft, auf dem Wege der Besserung ist, das bekamen auch die Teamkameraden mit. "Die", sagte er lächelnd, "geben mir jetzt wieder den Ball ab. Vorher hab ich gar keinen mehr bekommen, weil sie wussten, der ist sofort wieder verloren. Jetzt ist wieder Vertrauen in mich da". Die Tabellenführung sei unwichtig. "Da schauen wir nicht drauf". Sie sind erst einmal froh, dass das Theater um Trainer Brehme als ersten "Rauswurfkandidaten" und Youri Djorkaeff vorerst vorbei ist. Jetzt stehen da fünf Siege nach fünf Spielen und ein letztes umfassendes Geständnis. "Glück gehört bei uns dazu", meinte Klose nach dem 2:1-Sieg über Bremen. "Aber so ist das am Betzenberg, so sind wir". Endlich wieder die "Marke FCK", die in letzter Minute gewinnt, egal wie, Hauptsache kämpfen und rackern.

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