Sport : Kaiserslautern - Hertha: Störenfried im Schaufenster

Oliver Trust

Andreas Brehme sieht meist mürrisch aus, wenn er mit Journalisten spricht. Diesmal aber schien der Verdruss beim Trainer des 1. FC Kaiserslautern besonders groß zu sein. Warum, war nicht schwer herauszufinden. Er kommt wohl nicht an Youri Djorkaeff vorbei, jenem rebellischen Franzosen, den der 1. FC Kaiserslautern schon verdrängt zu haben glaubte.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Noch fehlt den Pfälzern auf dem Weg zum Bundesligarekord von Bayern München aus dem Jahr 1995 (sieben Siege in Folge) ein Erfolg - der soll heute gegen Hertha BSC eingefahren werden. Ein Rekord aber ist auch in der Pfalz eine Sache, die lockt und lohnt. Youri Djorkaeff könnte helfen, ihn zu holen, nur ist es so, dass die Mannschaft den Rekord wohl will, den Djorkaeff aber nicht. Youri Djorkaeff, bis heute der deutschen Sprache nur in beschränktem Ausmaß mächtig, als Abzocker und Egoist verschrieen, den Ruf des Einzelgängers pflegend wie andere den Mercedes vor der Tür, ist mit Abstand der unbeliebteste Spieler im Kreise der Kollegen.

"Wir haben die bisherigen Punkte ohne Youri Djorkaeff geholt", stichelt Mario Basler. Aber jetzt geht es eben nicht gegen den Aufsteiger aus Mönchengladbach oder das Kellerkind Werder Bremen, sondern gegen einen Blue Chip der Liga. Auch wenn die Berliner so richtig noch nicht in die Gänge gekommen sind, der Respekt der Pfälzer ist ihnen gewiss. Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt hat Djorkaeff in einem allerdings belanglosem Testspiel der Pfälzer Reserve gegen den Verbandsligaklub TuS Hohenecken eine bemerkenswerte Partie abgeliefert. 7:0 ging das Spielchen aus, drei Tore steuerte Djorkaeff bei, dazu eine Vorlage und jede Menge lange vermisste Spielfreude. Das allein würde einen Einsatz empfehlen. Und hinzu kommt ein Punkt, an dem sich die Interessen des 1. FC Kaiserslautern und die von Djorkaeff trefen. Die Pfälzer wollen ihn loswerden, Djorkaeff will mit der französischen Nationalmannschaft zur WM 2002. Dazu muss er spielen, in Kaiserslautern oder anderswo. Nun haben die Lauterer das Angebot von einer Million Mark aus Marseille als lächerlich abgelehnt, um den Preis zu steigern, müssen sie Djorkaeff also ins Schaufenster stellen.

Normalerweise muss so einer spielen in der Bundesliga. Aber da sind eben die Zweifel und Ängste, die gegen den ersten Einsatz in dieser Saison sprächen. Bringt der 33-Jährige in dieser Mannschaft, die die Last des unberechenbaren Mario Basler mit sich herumschleppt, wieder alles durcheinander? Mehr als einen Basler verträgt der Kader nicht, der sich mühsam zur Einheit hochgearbeitet hat und langsam den Ruf des rustikalen Kickerensembles abzulegen versucht, Fußball zu spielen wie eine derbe Mundartbühne Theaterstücke aufführt. Endlich, so jubeln die Anhänger, spielt da wieder der FCK, den sie kennen und lieben.

Teamchef Brehme ist es also sichtlich schwer gefallen, den ungeliebten Djorkaeff zu integrieren. Brehme zog die Brauen hoch, sagte, was er immer sagt, nämlich: "Ich sach mal", und brummelte was von "gut trainiert" und "endlich mal gezeigt, was man von einem Welt- und Europameister erwarten kann". Innere Distanz war trotzdem sichtbar. Heute, wenn der Brasilianer Cassio Lincoln gegen die Berliner Mittelfeldstars Sebastian Deisler und Stefan Beinlich müde werden sollte, könnte Djorkaeffs Stunde endlich schlagen. Dass ein solcher Einsatz lediglich Sachzwängen unterliegt, machte allerdings Brehmes Trainerkollege Reinhard Stumpf deutlich, als er diese Woche gerne und ausführlich erzählte, dass Djorkaeff am Montag zur Trainingseinheit mal wieder nicht erschienen sei. Djorkaeff bestreitet dies, wie die meisten Vorwürfe gegen ihn.

Auch diese Episode im zerrütteten Verhältnis zwischen dem gefallenen Star und seinem Verein zeigt, es wird zumindest ein langer Weg zurück zur Normalität. Für viele in Kaiserslautern aber ist da ohnehin nicht mehr viel zu reparieren. Djorkaeff wird als Störenfried empfunden. Und wenn das Experiment gegen Hertha BSC schief geht, wird er das auch bleiben. Dann bleiben allerdings auch die Fragen, wie sie ihn denn nun doch noch veräußern können, und wie Trainer Andreas Brehme das Gesicht wahren kann, wenn er seinen Feind aufstellen muss. Brehme wird wohl noch ein Weilchen weiter mürrisch schauen.

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