Sport : Kaiserslautern: Otto und die Kampfkraft-Garantie

Oliver Trust

Neulich ging ein Aufschrei der Begeisterung durch die Pfalz. Jedenfalls erweckten die PR-Strategen des 1. FC Kaiserslautern diesen Eindruck. Die Überschrift "Die Lust nach dem EM-Frust" klebten sie auf ihr neues Saisonmagazin. Das klingt wie "Hurra, sie sind wieder da", so als seien sie die einzigen, die einen gescheiten Fußball spielen in Deutschland. Diese "Roten Teufel" und ihr Trainer Otto Rehhagel aber wissen selbst nicht genau, was sie dem Kunden ab Sonnabend zumuten werden. Für sechs Mark verkauft der Pfälzer Zeitschriftenhandel das 64-seitige Werk, in dem, so wird versprochen, auch etwas über die Perspektiven des 1. FCK für die Bundesliga-Saison steht.

Natürlich steht nichts Schlimmes drin über Rehhagel und die neuen Spieler. Nichts über die Viererkette, die sie mal ein Spiel lang probierten, aber vorher nie trainiert hatten und deshalb fürchterlich damit baden gingen in der Vorbereitung. Oder über Murat Yakin, den neuen Libero, dem die Gegner meist davonlaufen, weil er so langsam ist, wie er es beim VfB Stuttgart war, wo er vor ein paar Jahren schon einmal ein nicht gerade erfolgreiches Gastspiel gegeben hat und alle froh waren, dass Yakin wieder ging. Oder über "Herrn Basler" (Originalton Otto Rehhagel), der so gerne Kapitän wäre, aber "manchmal nicht alle Laufeinheiten mitmacht, sie wissen wie das bei Genies ist" (nochmal Rehhagel). Das heißt, er ist eben auch wie früher. Stark beim Freistoß und nicht ganz so stark beim schnellen Laufen. Da kann Basler noch so laut den Pressesprecher spielen und rufen: "Wir kommen unter die ersten vier".

Es steht auch wenig darüber in den munter aufbereiteten Texten, wer Ciriaco Sforza im Mittelfeld ersetzen soll. Da haben sie keinen mehr, der das Spiel lenkt. Marian Hristow, so vermutet die Expertenrunde neben dem Trainingsplatz, soll den Job übernehmen. Bäume hat der Bulgare als Spielmacher im Mittelfeld noch nie ausgerissen, aber vielleicht ist das alles zu negativ und stimmt so gar nicht.

Vielleicht ist es so, wie die Vorverkaufszahlen es vermuten lassen. Über 30 000 Fußballfreunde haben sich wieder eine Dauerkarte gekauft. Für den Erlebnispark Betzenberg, verbunden mit der Hoffnung, dass Jürgen Friedrich Recht hat und nicht die Nörgler, die "dem Otto nichts gönnen." Der Vorstandsvorsitzende ist optimistisch, "weil wir Leute mit Kampfkraft-Garantie" verpflichtet haben.

Man kann sich das so vorstellen: Der Trainer steht neben der Kabinentür, wer sich von den Bewerbern nicht oben am Querbalken den Kopf anhaut, der kann wieder gehen. Petr Gabriel, der Verteidiger, ist 1,91 Meter groß, Vratislav Lokvenc, der Stürmer mit dem Ruf des Kopfballungeheuers, misst 1,96 Meter. "Mit Leuten in C-Jugend-Größe kann man in der Bundesliga nicht antreten", meint Rehhagel.

Es ist eine gespannte Erwartung, die da rund ums Fritz-Walter-Stadion herrscht. Seit Youri Djorkaeff wieder zurück ist, ist es ruhiger geworden. Viele hätten wohl gedacht, es geht wieder runter in die zweite Liga, wenn der französische Star nicht wiederkommt. Er kam wieder. Auch das haben die FCK-Macher wie einen Sieg verkündet. Doch die Zweifel bleiben. Selbst beim Stadionfest aber hat Rehhagel den Fans kein schlüssiges Konzept präsentiert. Das Personal ist das Programm, so war es immer bei ihm. Und die Spieler spielen halt, was sie können.

Das Eis für eine solche Strategie ist dünn. Sechs Heimniederlagen letzte Saison mit 28 Gegentoren spuken als traumatisches Erlebnis in den Köpfen der Anhänger herum. Jetzt zum Ende der Vorbereitung spürte Rehhagel schon ein wenig, was ihn erwartet, wenn er verliert. Unsicherheit macht sich breit. Friedrich und Konkursverwalter Robert Wischemann, die Männer mit Einfluss, mögen hinter ihm stehen, die Fans tun es nur noch murrend. Aber die Kritiker in der Mannschaft sind aus dem Weg geräumt. Torwart Reinke in Griechenland, Sforza in München bei den Bayern, Marschall und Ratinho verletzt - und Buck hält sich seit dem letzten Jahr zurück.

Freie Bahn für Otto Rehhagel also, das hatte Friedrich schon vor Monaten angekündigt. Nur die Fans, so scheint es, können jetzt noch die Revolution in der Pfalz anzetteln. So lange wie im vergangenen Jahr, als sie Rehhagel und die Mannschaft nach dem letzten Spiel gnadenlos aus dem Stadion pfiffen, werden sie damit diesmal nicht warten.

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