Sport : Kaká und die Glaubensfrage Fußballstar hat Probleme wegen seiner Religion

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Kürzlich in Brasilia: Kaká, Europas Fußballer des Jahres, trifft Präsident Lula. Es ist ein kurzer, inszenierter Auftritt, von dem beide profitieren wollen. Lula hält das rot-schwarze Trikot von Kaká in die Kameras, das vom italienischen Erstligisten AC Mailand. Kaká lässt sich mit einem T-Shirt in den Händen ablichten. „I belong to Jesus“ steht darauf, „ich gehöre zu Jesus“. Der tief gläubige Kaká will niemandem gehören, außer vielleicht Gott.

Welche Summe seines Vermögens einer zwielichtigen Religionsgemeinschaft gehört und welche Rolle der Fußballstar in der Gemeinschaft einnimmt, das will die brasilianische Justiz nun wissen. Die Wochenzeitung „Carta Capital“ aus der Hauptstadt Brasilia hat ein Schreiben des Staatsanwalts Marcelo Mendroni aus São Paulo an die Behörden in Mailand veröffentlicht. Darin bittet der Staatsanwalt die italienische Justiz um Hilfe: Kaká soll genauestens befragt werden. Wie häufig hat er Geld an die Religionsgemeinschaft „Renascer em Cristo“ (Wiedergeburt in Jesus) überwiesen und wohin? Wie oft waren die Führer der Gemeinschaft, das Ehepaar Estevam und Sonia Hernandes, auf dem Anwesen des Fußballers in Italien und Brasilien zu Gast?

Gegen die Familie Hernandes wird ermittelt – wegen des Verdachts der Geldwäsche und des Devisenschmuggels. Bereits vor einem Jahr wurde das Ehepaar in Miami festgenommen, weil die US-Polizei 56 000 Dollar bei ihm fand – eingeschmuggelt. Beide mussten ins Gefängnis. In der brasilianischen Öffentlichkeit wurde der Vorfall nur am Rande wahrgenommen. „Renascer“ hat großen Einfluss in Brasilien. Der Organisation gehören ein Fernsehsender, eine Radiostation und ein Modelabel. Die manchmal als Sekte bezeichnete Glaubensgemeinschaft ist riesig: In Brasilien hat sie über zwei Millionen Anhänger und beinahe 1200 Kirchen.

„Carta Capital“ schreibt, Kaká überweise der Kirche jährlich zwei Millionen Reais (etwa 772 000 Euro). Ansonsten halten sich die brasilianischen Medien, die das Thema großflächig behandelt haben, mit Schätzungen und Anschuldigungen eher zurück. Auch äußern sich Prominente kaum zu der Affäre. Es geht immerhin um die beiden brasilianischen Heiligtümer: Kirche und Fußball. „Wir Brasilianer versuchen das zu respektieren. Sehr viele Menschen in Brasilien gehen in verschiedene Kirchen. Damit sind manchmal auch Probleme verbunden. Aber das ist eine persönliche Angelegenheit dieser Leute“, sagt Herthas Mittelfeldspieler Gilberto. Er kennt Kaká aus Brasiliens Nationalelf. „Kaká ist ein super Mensch.“ Man müsse aufpassen, die Dinge nicht durcheinanderzubringen. Dass die Führer der Gemeinschaft im Gefängnis waren, sage nichts über Kaká, findet Gilberto.

Die Geschichte bietet allerdings starke Bilder: Zum Beispiel hat Kaká seine Trophäe als Weltfußballer des Jahres 2007 dem „Renascer“-Hauptsitz in São Paulo übergeben. Kaká will nach seiner Karriere Priester werden, natürlich für „Renascer“. Ein Studium braucht dafür keiner, sechs Monate Schulung genügen der Kirche. Angeblich sollen Pastoren sogar Erfolgsprämien für das Eintreiben hoher Spendenbeträge erhalten. Es ist ein enges Geflecht, das die brasilianische Staatsanwaltschaft zu durchdringen versucht. 2005 ließ sich Kaká in São Paulo trauen. Das Ehepaar Hernandes organisierte die große kirchliche Zeremonie. Die beiden Kinder der Religionsführer, Felipe und Fernanda, waren Trauzeugen.

Nach dem öffentlich gewordenen Hilfegesuch der brasilianischen Staatsanwaltschaft schlägt die Kirche jedenfalls erst einmal verbal zurück, es geht immerhin um ihren bekanntesten Apostel. Das in „Carta Capital“ veröffentlichte Dokument sei „voll von Fehlern und Anschuldigungen“. Staatsanwalt Mendroni und die Zeitung sollen verklagt werden. Kaká selbst schweigt zu der Angelegenheit.

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