Sport : Kalifornische Könige

Die Los Angeles Kings gewinnen gegen die New Jersey Devils erstmals den Stanley-Cup in der NHL.

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Für Kapitän Dustin Brown und die Los Angeles Kings war der Gewinn des Stanley-Cups eine Premiere. Der NHL-Klub aus Kalifornien gewann die wichtigste Trophäe im Eishockey zum ersten Mal. Die Titelverteidigung steht allerdings in den Sternen, derzeit ruht der Spielbetrieb in der Liga wegen eines Tarifstreits.
Für Kapitän Dustin Brown und die Los Angeles Kings war der Gewinn des Stanley-Cups eine Premiere. Der NHL-Klub aus Kalifornien...Foto: Reuters

Berlin - Da war er wieder. So groß. So glänzend. Und dieses Mal durften sie ihn endlich auch anfassen. Ein kurzes Posieren neben dem Cup für die Fotografen, dann stemmte Dustin Brown die riesige Trophäe in die Höhe. Die 18 885 Zuschauer in der Arena zu Los Angeles hielt es spätestens in diesem Moment nicht mehr auf ihren Sitzen. Sie feierten sich, ihre Mannschaft, den Pokal, den strahlenden Sonnenschein draußen. Einfach alles. Auf dem Eis bildeten die Spieler eine gigantische Jubeltraube.

Grund der Freude war ein sporthistorisches Ereignis: Zum ersten Mal in der Geschichte der National Hockey League (NHL) hatten die Los Angeles Kings den Stanley-Cup gewonnen, die bedeutendste Trophäe im Eishockey. 6:1 siegten die Kings in Spiel sechs gegen die New Jersey Devils und entschieden damit die Finalserie mit 4:2-Siegen für sich.

Auch wenn es niemand in all der Glückseligkeit zugeben wollte, eine gehörige Portion Erleichterung dürfte den Jubel zusätzlich befeuert haben. Bereits am vergangenen Mittwoch hatten die Offiziellen den Stanley-Cup nach Kalifornien gebracht. Die ersten drei Spiele hatte Los Angeles gewonnen, alles war für die entsprechenden Feierlichkeiten vorbereitet worden. Doch dann gewannen die Devils zuerst Spiel vier und drei Tage später auch noch Spiel fünf. Und in Los Angeles ging die Angst um. Was, wenn die Mannschaft den Titel am Ende doch noch verspielt? Seit Bestehen der NHL 1917 war dieses Missgeschick nur einer Mannschaft unterlaufen: 1942 verspielten die Detroit Red Wings eine 3:0-Führung gegen die Toronto Maple Leafs.

So weit sollte es siebzig Jahre später aber nicht kommen. Los Angeles knüpfte im sechsten Spiel an die Leistung aus den ersten Spielen an und überrannte New Jersey förmlich. Nach einer Spielstrafe gegen Steve Bernier nutzten die Kings ein fünfminütiges Powerplay im ersten Drittel zu einer 3:0-Führung. Danach war das Duell praktisch entschieden.

„Wir haben aus Spiel vier und fünf einiges gelernt und es heute besser gemacht“, sagte Dustin Brown, der Kapitän der Kings. Er hatte ein Tor selbst erzielt und zu zwei weiteren die Vorlage geliefert. Brown ist nach Derian Hatcher erst der zweite in den USA geborene Spieler, der eine Mannschaft als Kapitän zum Titelgewinn führen konnte. Hatcher siegte 1999 mit den Dallas Stars.

Ob er sich denn im Dezember habe vorstellen können, in dieser Saison den Stanley-Cup zu gewinnen, wurde Brown nach dem Spiel gefragt. „Man weiß nie, was passiert“, sagte er und versuchte krampfhaft, nicht auszusprechen, was jeder wusste. Natürlich hatte er damals nicht an den Titelgewinn geglaubt. Niemand hatte das in Los Angeles. Die Kings, die wie die Eisbären Berlin zur Anschutz-Gruppe gehören, hatten eine schwache Vorrunde gespielt, an deren Ende sie sich nur mit viel Mühe für die Play-offs qualifizierten. Als an Nummer acht gesetztes Team gingen sie in die K.-o.-Runde und waren dort nicht mehr wiederzuerkennen. Zehn Mal gewannen sie in fremder Halle – ein Rekord. Dazu sind die Kings das erste Team, das den Titel als Achter der Setzliste holte. Insgesamt verloren sie in den Play-offs nur vier Spiele. Hauptgrund dafür war die starke Defensive um Torhüter Jonathan Quick, der als wertvollster Spieler der Play-offs ausgezeichnet wurde.

19 Jahre nachdem die Kings zum ersten Mal das Finale erreicht hatten, krönten sie sich nun zu den Königen der NHL. Damals verlor Los Angeles mit Wayne Gretzky, dem besten Eishockeyspieler aller Zeiten, gegen Montreal. Gretzky hatte Eishockey in Los Angeles salonfähig gemacht.

„Mit ihm begann alles hier“, sagte Dustin Brown kurz vor der Pokalübergabe. Nur dass Gretzky dem Cup mit den Kings nie wieder so nahe kommen sollte wie Brown wenige Augenblicke später.

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