Sport : Kalte Berechnung

Die Minimalisten von Bayern München enttäuschen maßlos, doch für einen 2:0-Sieg gegen Kaiserslautern reicht es

Oliver Trust

Kaiserslautern. Wenn eine Mannschaft auf den Fußballplätzen dieser Welt Berechnung und Kaltschnäuzigkeit in Perfektion bietet, dann die von Bayern München. Auf dem Betzenberg in Kaiserslautern reichte jedenfalls ein Minimalprogramm ohne Leidenschaft und Esprit, um einen 2:0-Sieg zu erreichen. Roy Makaay (46.) mit seinem 20. Saisontor und Roque Santa Cruz (78.) trafen vor der Rekordkulisse von 47 315 Zuschauern in einer meist erschreckend einseitigen Partie.

Es war die erste Heimniederlage der Pfälzer, die Kurt Jara als FCK-Trainer erlebte. Und Jara hoffte mit versteinertem Gesicht, dass er ein Debakel vermeiden könne. Zu überlegen der Gegner, zu überfordert seine Mannschaft, die nur eine Viertelstunde lang einigermaßen stabil wirkte. Und diese Phase hatte die Mannschaft ausgerechnet nachdem Stefan Malz wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot gesehen hatte. Malz hatte Hasan Salihamidzic plump gefoult, genau dort, wo er neun Minuten zuvor den Münchner Verteidiger Willi Sagnol schon am Knöchel getroffen hatte.

Nur: Die Bayern enttäuschten genauso, zumindest wenn man hohe Ansprüche stellt. Mehr als ein Pflichtsieg war das nicht. „Nach oben ist kaum noch etwas möglich", sagte Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld. „Da ist Charakter gefragt. Wenn Bremen Punkte verliert, müssen wir da sein. Wir müssen unbedingt die Champions League erreichen.“

Gleich nach der Pause setzten die Münchner Hitzfelds Forderung nach mehr Tempo um. Nach einem Zuspiel von Schweinsteiger spielte Michael Ballack den Ball zu Makaay. Der Niederländer schloss die Aktion mit einem unhaltbaren Schuss ab. Von störenden Gegenspielern im Kaiserslauterer Strafraum war in diesem Moment nichts zu sehen. Nach einem Lattentreffer von Ze Roberto beseitigte Santa Cruz mit seinem Kopfballtreffer (78.) die letzten Zweifel an einem Bayern-Sieg.

Aber eigentlich hatten diese Zweifel nur die größten Optimisten. Was sollte man auch von einer Mannschaft erwarten, die erst nach 39 Minuten zu ihrer ersten Chance gekommen war. Kahn rettete bei dieser Szene in letzter Sekunde gegen den Tschechen Vratislav Lokvenc. Mit den weiteren Möglichkeiten durch Hristov und Altintop aber erschöpften sich die Versuche der Gastgeber, sich gegen die drohende Niederlage aufzulehnen. „Wir haben noch sieben Spiele lang die Chance, unsere Punkte zu holen. Wir müssen sie vor allem gegen direkte Konkurrenten holen und nicht gegen Bayern München“, sagte Kaiserslauterns Trainer Jara. Er will nächste Woche vor dem Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen seine Mannschaft an ihre jüngsten Erfolge erinnern. „Das muss uns Selbstvertrauen geben. Wir haben nicht die Klasse von Bayern München, deshalb wirft uns die Niederlage nicht um.“

Trotz Jaras Zuversicht nimmt im Kader der Pfälzer die Zahl der Spieler zu, die nach der Ansicht des Trainers „nicht den nötigen Charakter für den Abstiegskampf besitzen“. Jara griff indirekt seinen Vorgänger Erik Gerets und Klubchef Rene C. Jäggi an. Die hätten die fehlerbehaftete Personalpolitik zu verantworten. „Vielleicht hat man hier zu sehr auf fußballerische Klasse geschaut und nicht auf den Charakter“, sagte Jara. Nachdem Lincoln in seine brasilianische Heimat verschwunden war, hatte Jara Dominguez aus dem Kader geworfen.

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