Sport : Kaltes und heißes Blut

Alba will aus der Pleite gegen Real Madrid lernen.

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Berlin - Ein Fehlwurf! Die Chance, weiter zu verkürzen! Schnell nach vorne! Alba Berlins Basketballer schalteten auf Gegenangriff, kamen aber nicht weit. Der spanische Nationalspieler Sergio Llull nahm Heiko Schaffartzik mehr oder weniger rüde den Ball ab, die Zuschauer pfiffen, die Schiedsrichter nicht, Real Madrid kam zu zwei weiteren leichten Punkten.

Szenen wie diese gab es am Donnerstagabend bei Albas 63:77-Niederlage gegen den spanischen Rekordmeister zuhauf: Die Fehler der heißblütig kämpfenden Berliner wurden von den kaltblütigen Spaniern umgehend bestraft. „Das ist jedes Mal wie eine kalte Dusche“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi über Aktionen wie die von Llull.

In der Zwischenrunde der Euroleague kann Alba von den Gegnern noch häufig unter die Dusche gestellt werden – und das ist den Berliner Verantwortlichen gar nicht mal so unrecht. „Das Gute ist: Wenn du gegen solche Mannschaften einen Fehler machst, bekommst du es sofort zu spüren. Und nicht erst beim dritten, vierten oder fünften Mal“, sagte Sportdirektor Mithat Demirel. „Man kann sehen, wo man noch nicht gut genug ist.“ Auch Marco Baldi hat schon häufig die Hoffnung geäußert, seine Mannschaft könne an den großen Gegnern im Europapokal wachsen. Gegen Real mangelte es den Berlinern aber noch an „Kaltschnäuzigkeit“, wie Baldi urteilte.

Zu Beginn beider Spielhälften brauchten die Berliner zu lange, um ins Spiel zu finden. „Es hat ein bisschen gedauert, bis wir den Respekt abgelegt und auf Augenhöhe gespielt haben“, sagte Demirel. Und in den entscheidenden Momenten spielten Albas Profis zu unpräzise und überhastet, während die Spanier entspannt und konzentriert zugleich blieben und immer wieder neue hoch veranlagte und vor allem frische Spieler aufs Feld schickten. „Oft ist der Mann von der Bank sogar besser als der, der in der Startformation war“, stellte Albas Flügelspieler Zach Morley beeindruckt fest. So wie der Distanzschütze Jaycee Carrol, der in der zweiten Hälfte immer genau dann traf, wenn Alba ein klein bisschen Hoffnung geschöpft hatte. In den kommenden Euroleague-Spielen wie am nächsten Freitag gegen ZSKA Moskau wird das kaum anders sein, die europäischen Spitzenteams sind personell einfach besser bestückt als die Berliner. „Gegen so tief besetzte Mannschaften muss man dann eben das Tempo besser kontrollieren“, sagte Demirel. Womit man wieder bei Schaffartzik, Llull und der Dusche wäre.

Die Niederlage gegen Real hat den Berlinern trotz aller aufgedeckten Schwächen durchaus Mut gemacht. Trainer Sasa Obradovic sagte, er sei nicht unzufrieden mit der Leistung: „Aber wenn man gegen einen großen Gegner spielt, werden die Kleinigkeiten nun einmal wichtig.“ Demirel merkte noch an, man könne aus dem ersten Spiel für die restlichen 13 Partien der Zwischenrunde mitnehmen, „dass wir gegen jedes Team Chancen bekommen werden. Es werden aber nicht viele Chancen sein, also müssen wir bereit sein und sie nutzen.“ In dieser Hinsicht können ein paar kalte Duschen sicher nicht schaden. Lars Spannagel

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