Kamera oder Chip im Ball? : Torlinientechnik: Bundesliga vor der Revolution

Die Deutsche Fußball-Liga entscheidet heute über die Einführung der Torlinientechnologie. Zuletzt zeichnete sich unter den Klubs eine breite Mehrheit für die Neuerung ab. Schon in der übernächsten Saison könnte es losgehen.

Drin? Ja, aber... Bei Kießlings Phantomtor hätte die Torkamera geholfen. Foto: Imago
Drin? Ja, aber... Bei Kießlings Phantomtor hätte die Torkamera geholfen. Foto: ImagoFoto: imago sportfotodienst

Die Diskussionen beim Zweitligaspiel 1. FC Köln gegen VfR Aalen wirkten wie eine Steilvorlage für die Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga: Tor oder nicht Tor – an diesem Montag werden die Vertreter der 36 Profivereine in einem Hotel am Frankfurter Flughafen eine Grundsatzentscheidung über die Einführung der Torlinientechnologie in den beiden Bundesligen treffen.

Ein einstimmiges Ergebnis ist nicht zu erwarten, denn es gibt nicht nur Befürworter. Nachdem der Weltverband Fifa die Fehlertoleranz auf 1,5 Zentimeter hinabgesetzt hat, dürfte die technische Revolution jedoch eine breite Mehrheit finden. „Insgesamt war die Haltung in der Bundesliga sehr aufgeschlossen bei dem Thema“, sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock nach ersten Gesprächen.

Wie dringlich technische Hilfe im Fußball benötigt wird, wurde am Samstag wieder einmal deutlich. Beim 0:0 der Kölner gegen Aalen war der Ball nach einer Parade von Kölns Torwart Timo Horn auf oder hinter der Linie aufgekommen. Ein eindeutiger Beweis ließ sich mit den Fernsehkameras nicht führen.

Es war nicht der erste Streitfall in dieser Saison. Besonders hart traf es die TSG Hoffenheim. Gegen Nürnberg wurde ein klarer Treffer nicht gegeben, gegen Leverkusen musste der Bundesligist das Phantomtor von Stefan Kießling hinnehmen. Der Hoffenheimer Trainer Markus Gisdol ist für die Technik. „Ich finde, diese Hilfe sollte man annehmen. Abseits kann man so belassen wie jetzt. Aber ob ein Tor erzielt ist oder nicht, das sollten wir technisch lösen können“, sagte er. Ein erklärter Gegner ist Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen. „Ich bin dagegen. Mir ist das Ganze noch nicht ausgereift genug“, sagte Bruchhagen.

Sollten die Vereine die Technik absegnen, würde die DFL über den Zeitpunkt abstimmen lassen. Frühester Termin ist Sommer 2015. Eine kontroverse Diskussion könnte es auch um die Frage geben: Torkamera oder Chip im Ball? „Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme sind getestet worden. Insgesamt überwiegen die Vorteile bei den Kamerasystemen“, sagte DFB-Generalsekretär Sandrock. Unabhängig vom Ausgang stellte Sandrock klar, dass es eine Ausweitung über die Bundesliga hinaus vorerst nicht geben wird: „Es wird nicht passieren, dass wir im DFB-Pokal in den ersten Runden Torlinientechnologie voraussetzen werden.“ (dpa)

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