Sport : Kampf auf höchstem Niveau

Das Istaf bangt um seinen Golden-League-Status

Jörg Wenig[Paris]

Eine detaillierte Bewertung der Golden-League-Meetings und der besten weiteren internationalen Leichtathletik-Sportfeste dieser Saison soll die Grundlage dafür bilden, wie die Leichtathletik-Liga ab dem Jahr 2006 zusammengesetzt sein wird. Das erklärte der Generalsekretär des internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF, Istvan Gyulai, am Rande des Golden-League-Meetings in Paris. Die französische Hauptstadt war nach Bergen und Rom die dritte Station der Liga, die in Zürich und Brüssel fortgesetzt wird. Am 12. September findet dann das letzte Meeting der Serie statt, das Istaf im neuen Berliner Olympiastadion.

2002 waren diese Ausrichter von der IAAF für die Jahre 2003 bis 2005 bestätigt worden, wobei Oslo und Berlin damals als Wackelkandidaten galten. „Wir machen nun die Auswertung der wichtigsten Meetings, weil zunehmend gefordert wird, dass tatsächlich die besten Sportfeste in der Golden-League-Gruppe sind, unabhängig von politischen Überlegungen. Wir arbeiten daran, diese Forderungen umzusetzen“, erklärte Gyulai. Dabei geht es nicht nur um die sportlichen Leistungen, sondern bewertet wird die gesamte Organisationsleistung. Dazu zählen zum Beispiel das Transportsystem oder der Presseservice. Auch das Zuschauerinteresse wird berücksichtigt.

Rein sportlich wird sich das Istaf deutlich steigern müssen, um seinen Platz in der Liste der besten sechs zu behaupten. In dieser Rangfolge der Golden-League-Meetings waren die Berliner nämlich im Jahr 2003 Letzter. Zudem schnitten auch Sportfeste besser ab, die nicht zur Golden League gehören. Darunter ist zum Beispiel jenes in London, das am nächsten Freitag stattfindet. Die britische Metropole wird immer wieder genannt, wenn es darum geht, welches neue Meeting in die Golden League gelangen könnte. Zurzeit gehören die Briten noch zur zweithöchsten Kategorie, den Super-Grand-Prix-Meetings, zu denen beispielsweise auch die Sportfeste von Lausanne oder Stockholm zählen.

Als besonders gefährdet bewertet Gyulai das Berliner Meeting allerdings nicht. „Berlin hat eine große Leichtathletik-Geschichte“, erklärte der Ungar. „Die deutsche Leichtathletik wird international auch wieder stärker werden.“ Doch entscheidend wird sein, ob die Istaf-Organisatoren ein hochklassiges und gut organisiertes Meeting anbieten können.

Ins Gespräch kam auch immer wieder eine Reduzierung der Golden League auf fünf Sportfeste. Gyulai glaubt jedoch nicht, dass sich an der Anzahl etwas ändern wird: „Manche sagen, sechs Meetings sind zu viel. Aber wir hatten bisher immer einen Jackpot-Sieger, der bei allen Sportfesten gewonnen hat.“

Berichte, nach denen die Zukunft der Golden League gefährdet sei, verweist Gyulai ins Reich der Fabeln: „Warum sollte die Golden League keine Zukunft haben? Im vergangenen Jahr wurden die Meetings in 180 Ländern im Fernsehen übertragen. In Paris hatten wir am Freitag mit über 50 000 Zuschauern so viele Besucher wie nie zuvor bei einem Golden-League-Meeting. Und es gibt interessante Athleten, die in diesem Jahr den Jackpot knacken können.“

Nach der dritten Station in Paris sind immer noch fünf Athleten im Rennen: Der 400-m-Hürden-Läufer Felix Sanchez (Dominikanische Republik), der Dreispringer Christian Olsson (Schweden), der Diskuswerfer Virgilius Alekna (Litauen), die 400-m-Läuferin Tonique Williams (Bahamas) und die Hochspringerin Hestrie Cloete (Südafrika). Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es nur noch zwei.

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