Sport : Kampf dem Zauberfußball

In der Vorrunde hat Bremen begeisternd gespielt – jetzt geht es um Disziplin und Defensive

Felix Meininghaus

Bremen. Wer erfahren wollte, warum der kommende Deutsche Meister sehr wahrscheinlich Werder Bremen heißen wird, musste sich am Samstag nicht in erster Linie den 2:0-Heimsieg gegen Borussia Dortmund anschauen. Noch aussagekräftiger war das anschließende Auftreten der Entscheidungsträger des souveränen Tabellenführers.

Da ist der Manager Klaus Allofs, der sich im Presseraum zu den Journalisten setzt und freundlich wie verbindlich Auskunft erteilt zur Lage seines Klubs. Zum Beispiel dazu, dass Werder weder beim 0:0 auf Schalke noch beim Sieg gegen den BVB geglänzt hat. „Wir müssen in dieser Phase der Saison nicht zaubern“, sagte der ehemalige Nationalstürmer, „wir müssen diszipliniert spielen und um jeden Meter kämpfen.“ Wobei sich Allofs der Einordnung der Partie gegen Dortmund bewusst verweigerte: „Der Begriff Arbeitssieg hört sich so negativ an.“

Vier Meter weiter saß Trainer Thomas Schaaf auf einem Tisch, ließ die Beine baumeln und analysierte mit sonorer Stimme den Auftritt seiner Spieler. Auch Schaaf hat gegen die neue Bremer Sachlichkeit nichts einzuwenden. Damit, dass Werder den Gegner nicht mehr im Hurrastil bestürmt, sondern grundsolides Handwerk abliefert, kann Schaaf sehr gut leben: „Die Mannschaft verteidigt ihr Tor jetzt energischer“, sagt Schaaf und lässt keinen Zweifel daran, dass er genau darauf größten Wert legt.

Nicht nur der Außenverteidiger Paul Stalteri hat festgestellt, dass „wir im Moment eine starke Defensive haben“. Das ist durch Zahlen zu belegen: In den vergangenen sechs Spielen kassierte Werder lediglich ein Tor. Dass Spielmacher Johan Micoud dabei nicht so glänzen kann wie in der Vorrunde, nehmen die Bremer in Kauf: „Das ist hier doch keine Einzelveranstaltung“, sagt Allofs, „wenn Jo nicht zum Zug kommt, müssen die anderen eben einspringen.“ Und Schaaf hat beobachtet, dass „der Johan zwar im Moment nicht die überragenden Pässe spielt, aber unheimlich viel für die Mannschaft arbeitet.“

„Ich habe am Samstag nicht gut gespielt“, sagte der Franzose, „aber gerade daran lässt sich unsere kollektive Stärke festmachen. Die Solidarität innerhalb der Mannschaft ist einmalig, das macht uns stark im Kampf für den Titel.“ Alles klar also bei Werder Bremen nach einem durch die Tore von Valérien Ismael und dem 20. Saisontreffer des phänomenalen Brasilianers Ailton mühsam erkämpften Sieg, der den Abstand auf Titelverteidiger Bayern München bei komfortablen sieben Punkten belässt. Es ist erstaunlich, wie zielgerichtet Werder das Unternehmen Meisterschaft angeht. Spieler, Trainer und Management scheinen auf ihrem Weg zum Titel eine Art Tunnelblick entwickelt zu haben, der sie nichts anderes fixieren lässt als die Meisterschale.

Da dürfen sie rund um das Weserstadion so viel singen, tanzen und träumen wie sie wollen, einer wie Schaaf lässt sich dadurch nicht aus der Balance bringen. Als er darauf angesprochen wurde, ob es nicht übertrieben sei, im Stadion immer wieder jenes Lied rauf und runter zu spielen, nach dem der Deutsche Meister vom Weserstrand kommt, hat Schaaf kurz aufgeblickt und amüsiert zurückgefragt: „Soll ich mich jetzt auch noch um die Musikauswahl kümmern?“ Natürlich nicht, Schaaf wird sich weiterhin darauf besinnen, seine Spieler auf Trab zu halten. Und solange sie erfolgreich agieren, können ihre Auftritte ruhig glanzlos sein. Und schöne Spiele werde es auch noch geben. Denn schließlich, so Allofs, seien die Platzverhältnisse im Winter so widrig, „da verspringen viele Bälle. Warten Sie mal ab, bis der Frühling da ist. Dann spielen wir auch wieder besser Fußball.“

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