Kampf der Albatrosse : Das Problem der inneren Leere

Alba kämpft derzeit vor allem gegen sich selbst. Zu wenig Energie sowie "Strukturprobleme" durch die Verletzung von Spielmacher Rashad Wright machen den Albatrossen das Gewinnen schwer.

Helen Ruwald

BerlinWenn man den Begriff „empty moments“ googelt, stößt man auf Poesie, Selbstfindung und Buddhismus. Innere Leere als Bedrohung oder als Luxus. Aleksandar Nadjfeji ist bislang weder als Poet noch als Anhänger von Meditation öffentlich in Erscheinung getreten. Doch der serbische Basketballprofi von Alba Berlin hat die „leeren Augenblicke“ mit neuen Inhalten gefüllt: Nadjfeji meint damit die Momente, in denen „uns das Spiel entgleitet“, die Konzentration aussetzt, der Gegner zum Wurf kommt und schon verloren geglaubte Spiele fast oder tatsächlich dreht.

So wie am Sonnabend in Braunschweig, als der Deutsche Meister zwischenzeitlich 14 Punkte Vorsprung hatte und in letzter Sekunde durch einen Distanzwurf doch noch verlor. Auch in Trier (67:61) hatte sich Alba nach hoher Führung selbst in Schwierigkeiten gebracht. Gegen Bamberg vor zehn Tagen (62:72) nahm sich Alba die empty moments schon in der Anfangsphase. „Wir sind ausgelutscht“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, der froh ist, dass bis zum Play-off-Beginn noch sechs Spiele ausstehen, in denen der Meister die zur Titelverteidigung nötige Form finden kann. Einen ersten Schritt können die Berliner heute gegen die Giants Düsseldorf tun (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof).

Zwei Gründe sieht Baldi für die Störungen: Zu wenig Energie sowie „Strukturprobleme“ durch die Verletzung von Spielmacher Rashad Wright. Mit intensivem Training würden die Profis schon jetzt topfit gemacht für die Play-offs. „Zum Ende hin wird mitentscheidend sein, wie viel Luft man hat. Da kann man auf den Spielplan jetzt keine Rücksicht nehmen“, sagt Baldi. Doch dementsprechend schwer sind mitunter Beine und Arme.

Fünfmal ist Alba in den letzten fünf Jahren als Erster in die Play-offs eingezogen, nur 2008 gelang der Titelgewinn. Derzeit liegt Alba auf dem zweiten Tabellenplatz, der Erste aber, derzeit Oldenburg, hat in den entscheidenden Play-off-Spielen Heimvorteil. Und die Berliner haben in der Arena am Ostbahnhof erst ein Bundesligaspiel verloren. Dort wollen sie nicht erst in den Play-offs anknüpfen, sondern schon heute gegen Düsseldorf.

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